Die griechische Mathematik in ihrer Entartung.
431
Nuu folgten sich ziemlich rasch weitere byzantinische Bear-beitungen persischer. Schriften, mittelbare Abflüsse des im griechi-schen. Texte nahezu vergessenen Almagestes, welcher selbst die vor-züglichste Quelle persischer Gelehrsamkeit bildet. Chioniades vonKonstantinopel , welcher jedenfalls vor 134G lebte, GeorgChrysococces im Jahre 1346 selbst, Theodorus Meliteniota,wie es scheint unter der Regierung des Kaisers Johannes Paliiologus1361 lebend, der Mönch Isaak Argyrus vor 1368, das sind dieHauptvertreter persisch-griechischer Astronomie. Der Letztgenannteschrieb 1 ) auch eine handschriftlich gebliebene Geodäsie und Scholienzu den ersten sechs Büchern der euklidischen Elemente. Und nuntritt in der zweiten Hälfte des XIV. S. ein neuer Umschlag ein.Mit Nikolaus Cabasilas beginnt ein Geschlecht von Gelehrten,welche auf Ptolemäus selbst zurückgreifen und so die Wiedergeburtklassischer Wissenschaft in Europa vorbereiten. Während aufastronomischem Gebiete die hier kurz geschilderte Bewegung sichvollzog, war es kaum möglich, dass die Mathematik unberührt ge-blieben wäre, und wirklich haben wir Isaak Argyrus als mathemati-schen Schriftsteller nennen müssen. Neben ihm treten im XIV. S.noch Andere auf, zu welchen wir uns jetzt wenden. Der Hauptsachenach ist ihre Thätigkeit freilich als blosse Compilation aufzufassen.Höchstens Einer könnte eine Ausnahme bilden, für welchen die Ur-quelle seines Wissens wenigstens nicht nachzuweiseu ist. Ein Vor-zug, der ihnen insgesammt zukommt, besteht darin, dass sie mit nichtbreitgetretenen Stoffen sich abmühen, wie es die früheren Byzantinertliaten, sondern solche Gegenstände wählten, die hier in griechischerSprache zum ersten Male erscheinen.
Der Mönch Barlaam schrieb am Anfänge des XIV. S. eineLogistik in 6 Büchern, worin in mühseliger Weise die Rechenkunstan ganzen Zahlen, an gewöhnlichen Brüchen und au astronomischenoder Sexagesimalbrüchen gelehrt wurde. Dieses Werk ist im Jahre1600 mit lateinischer Uebersetzung gedruckt. 2 )
Johannes Pediasimus auch Galenus , yttArjvos — der Heitere,genannt war Siegelbewahrer des Patriarchen von Konstantinopel während der Regierungszeit von AndronikusIII. Paläologus 1328—1341.Von ihm sollen handschriftlich, ausser literär-kritischen Schriften,Bemerkungen zu einigen dunkeln Stellen der Arithmetik und eineAbhandlung über Würfelverdoppelung vorhanden sein. Seine Geo-metrie ist im Druck erschienen. 3 ) Man kann das Urtheil über
') Nach Montucla, Histoire des mathcmatiques I, 345. 2 ) So nach Mon-
tucla, Histoire des mathematiques I, 344. Uns ist das Werk noch nie zuAugen gekommen. 3 ) Die Geometrie des Pediasimus (griechischer Text) heraus-gegeben von G. Friedlein als Herbstprogramm der Studienanstalt Ansbach für