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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel XXV.

das gewöhnliche Rechnen der Römer weiss mit Ausschluss einesdenselben vielleicht bekannten wissenschaftlichen Rechnens,von welchem unter Boethius die Rede sein muss. Das gewöhnlicheRechnen wird wohl auf dreierlei Art geübt worden sein: als Finger-rechnen, als Rechnen auf einem Rechenbrett, als Rechnen unter Be-nutzung vorhandener Tabellen.

Das Fingerrechnen hat die älteste Ueberlieferung für sich,indem nach Plinius ') schon König Numa Zahlendarstellung mittelsder Finger kannte. Er liess nämlich ein Standbild des doppelt-beantlitzten Janus errichten, dessen Finger die Zahl 355 als Zahlder Jahrestage andeuteten. Ein später römischer Schriftsteller,Macrobius 2 ), weiss von derselben Sitte den Janus mit gekrümmtenFingern abzubilden, nur nennt er nicht König Numa als Urheberund gibt die dargestellte Zahl der Jahrestage zu 365 an, offenbardem späteren römischen Jahre diese Zahl entnehmend, ohne dassein altes Bildwerk ihm vor Augen gewesen wäre. Martianus Capella 3 * )lässt die als Göttin auftretende Arithmetik die Zahl 717 mittels derFinger darstelleu. Neben diesen Angaben ganz bestimmter durchFingerbeugung angedeuteter Zahlen, kann man noch viele Stellenrömischer Schriftsteller aus den verschiedensten Zeiten anführen,welche das Fingerrechnen im Allgemeinen bestätigen. Die rechteHand, sagt Plautus 1 ), bringt die Rechnung zusammen. Mit "Wortund Fingern lässt Suetonius 5 ) die Goldstücke abzähleu. Bei Quin-tilian 6 ) ist von einer Abweichung von der Rechnung durch unsichereoder unschickliche Bewegung der Finger die Rede und ähnlich beiAnderen 7 ) Wir führen nur eine Stelle noch besonders an, weil siedie fortschreitende Reihenfolge von links nach rechts bestätigt, welchewir zuletzt noch bei Nikolaus Rliabda (S. 436) als Regel kennen ge-lernt haben. Juvenal 8 ) lässt nämlich den mehr als Hundertjährigendie Zahl seiner Jahre schon an der rechten Hand zur Darstellungbringen. Eine ausführliche Beschreibung, wie man Zahlen durchFingerbewegungen kenntlich mache, von Beda Yenerabilis, demschottischen Mönche aus dem VII. und YHI. S. gehört bereits derLitteratur des Mittelalters an, und wird uns im 38. Kapitel be-schäftigen.

Vielleicht mit jener mittelalterlichen Verbreitung des Finger-

') Plinius, llistor. natur. XXXIV, 10. 2 ) Macrobius , Conviv. Saturn. I, 9.

3 ) Martianus Capella, Satura Vllinit. J ) Plautus , Miles gloriosus Act. II

sc. 3: Dextera diyitis rationem computat. Suetonius , Claudius XXI . . . ut

oblatos aureos voce digitisque »umeraret. r ’) Quintilian I: si digitorum sohtm

incerto aut indecoro gestu a computatione dissentit. 7 ) Eine Zusammenstellung,

bei welcher auch die Kirchenväter berücksichtigt sind, hei liocco Bomb eil i1. c. pag. 101 — 107. *) Juvenalis , Hat. X, v. 218 suos jam dextra computat

annos.