454
Kapitel XXV.
gleicheu Schattenlängen Gebrauch, welche in kurz auf einanderfolgenden Zeitpunkten, aber sämmtlich vormittags, auf der Grund-ebene des Sciotherums verzeichnet worden waren.
Die letzte Methode, unter deren Vorzügen wir nur den einenhervorheben wollen, dass sie unabhängig davon war, ob die Sonnein einem gewissen Momente unbewölkt am Himmel stand und dievorausbestimmte Schattenlänge wirklich liefern konnte oder nicht,setzt Kenntnisse der Stereometrie in einem Maasse voraus, dass wirihre Entstehung nur bei einem Schriftsteller vermuthen dürfen,dessen wissenschaftliche Bildung eine weit höhere war, als Römersie je besassen. Es muss eine griechische Methode aus der Zeit ent-wickelter Stereometrie sein, wenn es auch nicht möglich gewesenist, sie bei irgend einem der uns erhaltenen griechischen Astronomenaufzufinden.
Die von uns als zweite bezeichnete Methode dürfte, wenn auchnicht der ältesten Zeit, doch einem erheblich früheren Zeitalter alsdem des Hyginus angehören. Ebendieselbe beschreibt nämlich auch
Vitruvius 1 ) um das Jahr 15 v. Chr. Andrerseits kann sie in Rom
' *
nicht früher als frühstens 250 v. Chr. etwa bekannt gewesen sein,wie daraus hervorgeht, dass sie den Gebrauch einer Art von Sonnen-uhr als bekannt annimmt, während eine solche nach einer Angabeim Jahr 293, nach einer anderen gar erst 263 erstmalig in Rom auf-gerichtet wurde. 2 )
So bleibt uns als ältestes italisches Verfahren kein anderes übrigals jenes dem Gedanken nach einfachste Hinschauen nach der Gegend,wo die Sonne zuerst sichtbar wurde, ein Verfahren, welches bei allerUnzuverlässigkeit doch eine erträgliche Orientirung liefern kann, wennes zu einer Jahreszeit vorgenommen wurde, welche nicht gar zuentfernt von der Tagundnachtgleiche lag. 3 )
Ihm war nur ein Apparat unentbehrlich, der wo möglich zweiZwecken zu dienen hatte: eine Richtung einzuvisiren, eine andereRichtung senkrecht zur ersteren auf dem Felde zu bestimmen; voneinem solchen altitalischen Instrumente sprechen uns aber die Be-richterstatter unter dem Namen Groma . Auch dieses Wort istnach Ursprung und Bedeutung keineswegs über jeden Zweifel er-erhoben. 4 ) Die alte Annahme groma komme von dem griechischenyvcöfiav her ist unhaltbar, weil nicht bloss die beiden unter diesenNamen bekannten Dinge verschieden sind, sondern auch der griechische
messer 1, 189—191. Vergl. Agrimensoren S. 68—69. 9 Vitruvius Lib. I,
cap. 6, §6. 9 Agrimensoren S. 71. 3 ) Itoms Geburtstag wurde durch das Pari-lienfest am 21. April begangen. Nissen, das Templum S. 166. ') Vergl. Agrimen-
soren S. 72 flgg. mit Hultschs Recension in Fleckeisen und Masius, Jahrbücherder l’hilol.