Aelteste Rechenkunst und Feldmessung.
455
Gnomon, die Sonnenuhr, mit dem Namen in römische SchriftstellerEingang fand. Dagegen ist nicht ausgeschlossen, dass beiden Wörternein und dasselbe Stammwort zu Grunde liege, ein Stammwort, welchesitalisch geschrieben vielleicht gnorma liiess, und ein Senkrechtes imAllgemeinen bedeutet haben mag, wie früher yve6(ta>v. Dieses gnormakonnte sowohl in norma als in groma übergehen. Als aber dieKörner viel später den Gnomon der Griechen herrübernahmen, mochtedie Ableitung des Groma längst aus dem Bewusstsein geschwundengewesen sein, so dass es möglich wurde, dass beide Bezeichnungen,ursprünglich verwandt, jetzt unbedenklich zur Benennung zweier ver-schiedener Vorrichtungen gebraucht wurden, nachdem der Heimaths-schein des älteren Wortes, wenn wir so sagen dürfen, verloren ge-gangen war. Gegen diese im Allgemeinen sehr annehmbare Auffassunglässt sich, so viel wir sehen, nur der eine nicht unbedenkliche Einwanderheben, dass alsdann der Name, welchen das Groma (oder auchcruma, wie es sich wohl findet) bei den Etruskern, welche einesgleichen Instrumentes sich bedienten, besass, besessen haben muss,spurlos verloren gegangen wäre, ein etwas misslicher Umstand gegen-über von den verschiedenen älteren und jüngeren Namen, die sicherhalten haben.
Solche jüngere Namen sind machinula und stella, und wenn vongroma der Name der Feldmesser, gromatici, sich hergeleitet hat,eine Art amtlicher Personen, die in ältester wie in jüngster Zeit einefest gegliederte Genossenschaft, fast eine Zunft, bildeten, wennGroma selbst auch den Platz in der Mitte der llauptstrasse einesLagers oder einer Stadt bezeichnete, wo bei der Gründung das In-strument aufgestellt worden war, so lässt die Variante stellauns erkennen, welcherlei Gestalt jenesInstrument gehabt haben muss. Es warder Stern, welcher zu Herons Zeiten be-reits durch die Dioptra überholt nochimmer bei Einzelnen in Gebrauch war(S. 322). Was aber aus diesem Namengeschlossen werden konnte, findet Be-stätigung in der Abbildung eines Groma(Figur 73), die bei Jvrea auf dem Grab-steine eines römischen Feldmessers aufge-funden worden ist.') Das Groma war wirk-lich ein Winkelkreuz gebildet durch zwei inhorizontaler Ebene sich schneidende Linealeund aufgestellt auf einem mit Eisen beschlagenen Fussgestelle, dem
') Gazzera hat die betreffende Grabschrift 1854 mit 33 anderen im XIV.Bande der II. Serie der Abhandlungen der turiner Akademie veröffentlicht.