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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Die Jiliithezeit der römischen Geometrie. Die Agriniensoreu.

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Kapitel XXYI.

Ilic lUiithezeit der römischen Geometrie. Pie Agriniensoreu.

Was ist bei den Römern im Laufe der Jahrhunderte aus alt-italischer Rechenkunst, aus altitalischer Feldmessung geworden? Er-scheint es doch unmöglich, dass eine Stadt, die als weltbeherrschenderMittelpunkt bedeutende Männer aus allen Provinzen des grossenReiches anzuziehen wusste, nicht auch von solchen zum Wohnortgewählt worden sein soll, welche der Mathematik sich beileissigten.Wenn wir nur in Erinnerung bringen, was uns beiläufig begegnete:in Rom hat im Jahre 98 n. Chr. Menelaus Beobachtungen angestellt(S. 349), in Rom hat um 244 Plotinus seine vielbesuchte Schule er-öffnet (S. 389), in welcher gewiss auch nach damaligem Geschmackemodernisirte altgriechische Arithmetik einen Gegenstand der Lehrebildete. So mögen zu verschiedenen Zeitpunkten in Rom Persön-lichkeiten gelebt und gewirkt haben, die um Mathematik sich kümmer-ten — Spuren davon werden sich deutlich erkennen lassen — aber siewaren beinahe verstohlener Weise Mathematiker. Was wir (S. 438)schon angedeutet haben, ist jetzt nur stärker zu betonen. Die ganzegeistige Anlage des römischen Volkes war nach anderen Gebietengerichtet als der Mathematik, und das Wort Ciceros , die Geometriesei bei den Griechen in höchsten Ehren gestanden, desshalb seiNichts glänzender als ihre Mathematiker, bei den Römern aber seidas Maass jener Kunst durch den Nutzen des Rechnens und Aus-messens begrenzt, 1 ) hat fast für alle Zeiten Giltigkeit. Nur einekurze Spanne bildet vielleicht eine Ausnahme und gab Anlass zuAnfängen einer eigenen mathematischen Literatur, die aber bald aus-artete, so dass nur Uebersetzungen oder handwerksmässige Vor-schriften neben beiläufigen Andeutungen das Material liefern, auswelchem wir Belehrung ziehen.

Jene Ausnahmsperiode eröffnete sich, während ein Manu an derSpitze des römischen Staates sich befand, der selbst mathematischenSinn besass und als Schriftsteller in unserem Fache aufgetreten ist:Julius Cäsar . Er hat ein Buch de astris verfasst, 2 ) welches in derMitte des I. S. n. Chr. dem älteren Plinius vielfach als Quelle fürdas XVIII. Buch seiner Naturgeschichte gedient hat, und welchemum das Jahr 400 Macrobius das Beiwort eines nicht ohne Gelehrsamkeitverfassten Werkes beilegte. Dasselbe hängt, wie man anzunehmenberechtigt ist, mit einer Aufgabe zusammen, welche Cäsar sich als

*) Cicero , Tuscul. Quaest. Lib. I, cap. 2, § 5. 2 ) Agrinaensoren

S. 78T llgg.