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Kapitel XXVI.
als die Feldmess Wissenschaft, wenn wir diese beiden unterscheidendenNamen weitergebrauchen, um durch den ersteren die eigentlichen prakti-schen Arbeiten auf dem Felde, durch den zweiten die daran anknüpifendenRechnungen zu bezeichnen, welche letztere wir auch wohl rechnendeGeometrie nennen (S. 343). Jetzt verdrängte die vollkommenereDioptra das alterthümliche Groma, jetzt bürgerten sich Regeln zurAusrechnung der Felder ein, während man bisher vielleicht jede der-artige Regel entbehrte ohne sie zu vermissen, weil das ausgemesseneLand in gleichmässigen Rechtecken von bekannter Grösse bestehendeiner Flächenberechnung nicht bedurfte, nicht ausgemessenes Landaber seinen Besitzer nicht leicht änderte; wenigstens wurden nurüber Besitzstücke mit gradlinigen, zu einander senkrechten GrenzenFlurkarten öffentlichen Glaubens angefertigt.
Um die Zeit, zu welcher unter dem Einflüsse des Machthabersdie Veränderung römischen Geschmackes stattfand, welche nur zuwenig nachhaltig sicherwies, als dass sie der Mathematik zu Fortschrittenhätte verhelfen können, schrieb Marcus Ter entius Varro, der Freunddes Cicero, des Pompejus , in späterer Zeit des Cäsar, dessen Leben nachder wahrscheinlichsten Annahme die Jahre 116 bis 27 v. Chr. er-füllte. In politischen Kreisen spielte er trotz seiner Beziehungeneine nur selten und wenig hervorragende Rolle. Desto bedeutenderwar die literarische Thätigkeit, der er sich hingab. Er gebot überfast unerschöpfliches Arbeitsmaterial, da er nicht nur Besitzer dergrossartigsten Privatbibliothek war, sondern auch von Cäsar eineröffentlichen Büchersammlung vorgesetzt wurde. Wie er aber diesesMaterial zu benutzen verstand, beweist seine eigene Aeusserung'),nach welcher er am Ende seiner siebziger Jahre 490 Bücher ge-schrieben hatte, und so kann man wohl dem Urtlieile des TerentianusMaurus, eines Grammatikers aus den Zeiten der Kaiser Nerva undTrajan, beistimmen, der Varro den Gelehrtesten aller Gegendennannte. Die erhaltenen Schriften des Varro beziehen sich auf Land-wirthschaft und auf Grammatik und nehmen unter den Arbeiten ausdiesen beiden Gebieten einen ehrenvollen Rang ein. Um so mehrbedauern wir den Verlust grade der Werke, welche uns wichtig sein■würden. 2 ) Verloren ist eine Schrift über Vermessungen, mensuralia;verloren ist ein Buch Geometrie, in welchem, nach dem Bericht desCassiodor, die Gestalt der Erde als eirund angegeben Mar, ein in so
‘) Aul. Gellius, Noctes Atticae III, 10, 17: M. Varro ibi (in primo librorumqui inscribuntur Hebdomades vel De imaginibus) addit se quoque jam duode-cimam annorum hebdomadem ingresstim esse et ad enm diem Septuaginta hcbdo-madas librorum conscripsisse. 2 )Gast. Boissier, Etüde sur la vie et les ouvragcsde M. T. Varron. Paris , 1861. Ueber die wissenschaftlichen Schriften, welchezu dem Letzten zu gehören scheinen, was Varro schrieb, vergl. pag. 327 —331. S.auch Teuffel, Geschichte der römischen Literatur (III. Auflage) S. 288.