Band 
Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
Entstehung
Seite
467
JPEG-Download
 

Die Blüthezeit der römischen Geometrie. Die Agrimensoren.

467

einigt mit anderen für die Geschichte der Mathematik hochwichtigenFragmenten in einer Sammelhandschrift, welche von 1566—1604 imBesitze von Johannes Arcerius in Groningen war und desshalb vondem nachfolgenden Figenthümer Petrus Scriverius in einer Beschrei-bung aus dem Jahre 1607 den Namen der arcerianischen Hand-schrifterhielt, als welche sie heute noch bekannt ist.') Sie ist eineder ältesten grösseren Handschriften, welche man überhaupt besitzt,und nach dem Urtheile der Fachgelehrten nicht später als im VII.,vielleicht schon im VI. S. niedergeschrieben. Man nimmt an, es seienum das Jahr 450 aus älteren Schriften, sämmtlich auf Gebiets-eintheilung, Agrargesetzgebung und dergleichen bezüglich, amtlicheAuszüge veranstaltet worden als rechtswissenschaftlich-statistischesNachschlagebuch für Verwaltungsbeamte des römischen Kaiserreichs,und eine wieder um ein oder anderthalb Jahrhundert jüngere Ab-schrift dieser Sammlung sei als Codex Arcerianus auf uns gekommen,die sauber und schön geschriebene Arbeit eines vielleicht als Beamtersehr brauchbaren Mannes, der aber von Feldmessung wenig odergar Nichts verstand und daher zu den Fehlern, welche bereits inseiner Vorlage vorhanden gewesen sein mögen, noch weiterenicht seltene eigene Versehen und Schreibfehler hinzufügte. Mansieht, dass es insofern keine sehr reine Quelle ist, aus welcher wirgenötliigt sind unser Wissen zu schöpfen. Es steht keineswegs fest,dass die verschiedenen Bruchstücke grade von den Schriftstellernherrühren, welchen sie zugeschrieben sind; es steht keineswegs fest,wie die Namen, welche mitunter in mehrfachen Schreibformen Vor-kommen, wirklich gelautet haben; es steht keineswegs fest, wanndie Träger dieser Namen gelebt haben, ob, wie man aus ihrer Ver-einigung und aus manchen anderen Umständen schliessen möchte, siealle etwa der Zeit von 50 bis 150 angehören, d. h. dem Jahrhunderte,in dessen Mitte Kaiser Trajan lebte, unter welchem, wie wir unswiederholt erinnern wollen, Menelaus von Alexandria in Rom seinenAufenthalt aufgeschlagen hatte, oder ob man für sie zum Theilwesentlich späterer Datirungen bis um das Jahr 400 sich bedienen muss.

Inmitten dieser Zweifel begnügen wir uns die Namen der Feld-messer Frontinus , Hyginus, Baibus, Nipsus, Epaphroditus,Vitruvius Rufus, die als Verfasser kleinerer oder grösserer Bruch-stücke 2 ) genannt sind, anzugeben, ferner kurz zu berichten, was manvon den Persönlichkeiten des Hyginus und des Baibus weiss, undschliesslich ein Gesammtbild der in jenen Bruchstücken enthaltenen

') Ueber den Codex Arcerianus der Wolfeubüttler Bibliothek vergl.Agrimensoren S. 95. 2 ) Die Bruchstücke des Epaphroditus und des Vitruvius

Rufus vergl. Agrimensoren; alle übrigen s. Römische Feldmesser I. Ueber-setzungen wichtiger Theile bei E. Stoeber, Die römischen Grundvermessungen.München , 1877.

30 *