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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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469
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Die Bliithezeit der römischen Geometrie. Die Agrimeusoreu. 469

Geistes im Stande gewesen sein sollten den Urtext zu verstehen.Andrerseits könnte freilich die Art, wie der Text dieser Feldmessermit dem Herons in Uebereinstimmung tritt, eine Uebereinstimmung,die mitunter einem Gegensatz ähnelt, zur Vermuthung führen, siehätten ein in fremder Sprache geschriebenes Buch missverstanden,oder aber, wenn sie selbst griechischen Stammes waren, sie hättensich in der ihnen fremden lateinischen Sprache nur mangelhaft aus-zudrücken gewusst.

Es lassen sich bei ihnen Allen ähnlich wie bei Heron gewisseHauptabschnitte erkennen, von welchen freilich bei dem einen Schrift-steller der eine, bei dem andern der andere bevorzugt wird: sie werdengebildet durch Maassbestimmungen, durch geometrische Definitionen,durch praktisch feldmesserische Vorschriften, durch rechnende Geo-metrie, wozu noch bei Epaphroditus und Vitruvius Rufus, für welchegemeinschaftlich ein grösseres Bruchstück durch den Schreiber desCodex Arcerianus beansprucht ist, ein Abschnitt über Vieleckszahlenund Pyramidalzahlen kommt, wohl einen anderen Ursprung verrathendals Heron, in dessen Schriften, wenigstens so w T eit die uns erhaltenenSammlungen Aufschluss geben, derartiges nicht vorkam.

Maassbestimmungen und Definitionen waren für Jeden notli-wendig, der ohne Geometer zu sein Geometrisches lesen wollte odermusste. Sie hier zu treffen kann uns daher nicht in Erstaunen setzen,und wir bemerken nur, w T eil grade die Gelegenheit sich bietet, dassParallellinien durch llneae ordinatae übersetzt sind,') das Wort, welchesviele Jahrhunderte später für die einer bestimmten Richtung parallelenGeraden (Ordinaten) in Anwendung blieb. Dem Charakter des Ver-waltungshandbuches gemäss, welchem es nicht auf die Auffindung vonEntfernungen, nicht einmal auf die Ausmessung von Grundstücken,sondern auf die Rechtsverhältnisse schon ausgemessener Felder undetwa auf die Berechnung ihres Rauminhaltes aus gegebenen Aus-dehnungen zum Zwecke von Versteuerung und dergleichen ankam,sind die Stücke über das, was wir Feldmesskunst nennen, am kärg-lichsten vertreten, und wir wissen aus dem Vorhandenen kaum mehr,als dass Entsprechendes aus der Feder eines Frontinus, eines Baibus,eines Celsus einstmals vorhanden gewesen sein muss. Schon umdieser wichtigen Gemeinsamkeit des Inhaltes willen und wegen desvereinigten Vorkommens der Bruchstücke in dem mehrgenanntenCodex Arcerianus wollen wir für die Verfasser derselben uns eineshäufig benutzten Sammelnamens bedienen und sie die Agrimen-soren nennen.

Die Schüler des Heron erkennen wir in ihnen ferner an einerziemlichen Anzahl von Wörtern, die als genaue Uebersetzungen er-

') Agrimensoren S. 98.