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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel XXVII.

erwehren, dass, wer so sprach, die Schrift des Appuleius seihst vorAu"en gehabt habe. Nicht minder schwer freilich fällt die An-nähme, Appuleius habe die Arithmetik des Nikomachus, die wir imOriginale wie in der Bearbeitung des Boethius zur Genüge kennen,so selbständig oder unter Zuziehung anderer Quellenschriften be-handelt, dass er Rechenbeispiele einfiigen konnte. Oder sollen wirannehmen, Nikomachus habe neben der Arithmetik ein uns bis aufeine geringfügige Spur (S. 3GG) ganz verschollenes Rechenbuch ver-fasst? Auf dieses beziehe sich der Ausspruch Lucians: Du rechnestwie Nikomachus? Dieses habe Appuleius übersetzt, und das Miss-verständniss rühre von Cassiodor und dem ihn ausschreibendenIsidor her, welche die Uebersetzungen zweier verschiedener Werkedes Nikomachus ins Lateinische vermengten? Wir fühlen wohl,wie viele Gründe sich auch dieser Annahme entgegenthürmen,wollten aber keinenfalls versäumen, jede der verschiedenen Möglich-keiten jene Aeusserungen später Zeit zu erklären anzuführen.

Auch auf geometrischem Gebiete ist die wenn nicht selbst-schöpferische doch an Uebertragungen griechischer Schriftsteller sichübende Thätigkeit der Römer keineswegs mit den Zeiten Trajans ab-geschlossen. Neben den im Codex Arceriauus vereinigten, wie wir sahen,um die Mitte des V. S. schon zusamengestellten vielleicht zum Theilspäter als Trajan , sogar später als Diophant zu datirenden Stücken istuns ein sehr bedeutsames Fragment aus dem IV. S. erhalten, welcheszeigt, dass nicht bloss der „Heron“ der Praktiker, sondern auch der,,Euklid 1 ' der Theoretiker der römischen Sprache mächtige Liebhaberbesass. Dieses Fragment,') auf welches zuerst 1820 hingewiesen wordenist, und welches seitdem unausgesetzt die Aufmerksamkeit philologicherForscher in Spannung erhielt, gehört der unteren Schrift eines Palim-psestes an, der in der Kapitelbibliothek zu Verona früher unter derNummer 38, jetzt unter der Nummer 40 aufbewahrt wird. Die jüngeredem IX. S. aiTgehörende Schrift enthält einen Theil der „MoralischenBetrachtungen zum Buch Hiob ' 1 vom Papst Gregor dem Grossen (j G04).Die darunter erkennbare ältere Schrift stammt nach dem Dafürhaltenaller neueren Sachkundigen unter Beachtung aller Merkmale derSchrift wie der Sprache, welche zur Entscheidung beitragen können,aus dem IV. S. Kaum mit blossem Auge erkennbar gab sie mühe-vollster Entzifferung ihren Inhalt kund. Es sind Bruchstücke desVergilius, des Livius und Geometrisches, w T elche im IX. S. würdig

') Vergl. die von Niebuhr 1820 in Rom herausgegebenen Bruchstücke derReden Ciceros für Fonteius und Rabirius pag. 20. Blume, Iter Italicum 1,203.Keil auf pag. XI der Vorrede zu seiner Ausgabe des Probus. Reifferscheid,Sitzungsher. d. pliilol. Abthlg. der Wiener Akademie XL1X, 59. Monnnsen,Ablidlg. der Berliner Akademie 1868, S. 153, 150, 158.