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Kapitel XXVII.
Er hat uns ein aus neun Büchern bestehendes encyklopädischesWerk, welches den Gesamnitnamen Satira führt, hinterlassen,') dessenEntstehung etwa auf das Jahr 470 fällt. Die beiden ersten Bücherführen den besonderen Titel der Vermählungsfeier der Philologie mitMerkur und stellen ein kleines Ganzes dar, eine Art von philoso-phischem und allegorischem Romane, der als Einleitung dient. ZurVermählung erscheinen alsdann die sieben Wissenschaften, welche,um den Ausspruch Quintilians zu benutzen, den Kreis der freienLehre ausmachen. 2 ) Es sind dieselben freien Künste, in derselbenReihenfolge, wie wir sie durch Varros Werk kennen, dessen Eintliei-lung uns wenigstens erhalten blieb (S. 4G1). Jede W issenschaft bringtihr Symbol mit. Nach der Grammatik, der Dialektik und der Rhe-torik tritt die Geometrie auf. Sie hat den mit blauem Sande be-streuten Abacus in Händen, 3 ) auf welchen also diesmal die Figurengezeichnet werden sollen, mit welchen die Geometrie sich abgibt.Freilich eine sonderbare Geometrie, deren räumlicher Hauptbestand-teil in geographischen Begriffen, in einer Aufzählung historischinteressanter Orte, deren Gründer zugleich genannt werden, aufgeht.Dami kommen Definitionen von Linien, Figuren, Körpern, dann dienotwendigsten Forderungen, Alles nach Euklid und unter Benutzungder griechischen Benennungen. Sind aber die Vorbereitungen erstso weit getroffen, dass die Göttin auf dem Abacus eine gerade Liniezieht und die Frage stellt: Wie lässt sich über einer gegebenen Streckeein gleichseitiges Dreieck errichten, da erkennen sofort die in dichtemHaufen sie umstehenden Philosophen, sie wolle den ersten Satz dereuklidischen Elemente bilden, brechen in lautes Klatschen und Hoch-rufen auf Euklid aus . . . 4 ) und das VI. Buch und mit ihm die Geo-metrie ist zu Ende. Von Feldmessung, von rechnender Geometrie,mit einem Worte von Heronischem ist in keiner Weise die Rede.Im VII. Buche macht die Arithmetik ihre Aufwartung mit ihrenFingern die Zahl 717 darstellend, durch welche sie den Gott derGötter begriisst. Wir haben dieses Zeuguiss für die auch damalsbekannte Fingerrechnung (S. 44G) anrufen dürfen. W ir fügen hinzu,dass Pallas auf die Frage der Philosophie, was jene Zahl zu bedeutenhabe? erwidert: die Arithmetik grüsse Jupiter mit seinem eigenenNamen. Diese Stelle ist jedenfalls richtig dahin erklärt worden,Jupiter sei der Anfang der Dinge und fj uQxrj stelle durch den Zahlen-werth der Buchstaben 8 —)— 1 —(— 100 -f- 600 -(- 8 die Zahl 717 vor.
*) Martiani Capellae De nuptiis philologiae et Mercurii de septem artibuslibe-ralibus libri IX (ed. Ulr. Kopp). Frankfurt a.M , 1836. 2 ) Quintilianusl, 10, 1.3 ) HyaUni pulveris respersicme coloratam mensulam. 0 Quo dicto cum pluresphilosophi, qui undiqucsecus constipato ugmine consistebant, pnmum Kuclidistheorema formare eam veile cognoscerent, confestim acclamare Euclidi plauderequecoeperunt.