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Kapitel XXVII.
Wechsel der Schicksale durch fürstliche Uuguade zu empfinden. Erwar zwischen 480 und 482 etwa geboren') und verlor kurz daraufseinen Vater, so dass seine Erziehung von Fremden geleitet werdenmusste. Wahrscheinlich und zum Glück für die geistige Ausbildungdes begabten Jünglings wurde er der Sorge des Patriciers Syru-maclius 5 ) an vertraut, der vollständig geeignet war Vaterstelle anihm zu vertreten. Später wurden aus den Beziehungen Beider engeFamilienbande, indem Boetliius die Tochter des Symmaclius heirathete.Boethius war schon Lehrer in dem Alter, wo Andere zu lernen pflegen. * 3 )König Theodorieh forderte in einem, selbstverständlich durch Cassiodor geschriebenen und in dessen Briefsammlung uns aufbewahrten Briefeihn auf, auch für den Burgunderkönig Gundobad eine Wasser- undSonnenuhr zu besorgen. Im Jahre 507 entbrannte Krieg zwischenTeodoricli und Gundobad. Jener ein freundliches Verhältniss Beidervoraussetzende Brief kann demnach nicht später als 506 geschriebensein. 4 ) Wir werden aus jenem Briefe nachher noch entnehmen,welche schriftstellerische Thätigkeit als Uebersetzer aus dem Griechi-schen Boethius damals schon entfaltet hatte. Fürs Erste ist eruns ein Zeugniss für das Ansehen, in welchem Boethius bei demKönige stand, und dieses ebenso wie das des Symmaclius wuchs be-ständig. Allein mit der steigenden Bedeutung des Boethius stiegauch sein eifriges Bemühen die Freiheit und das Ansehen des römi-schen Senates wieder herzustellen, wodurch er den Höflingen, dieschon lange neidisch auf ihn waren, Gelegenheit gab ihn beim Königezu verdächtigen. Untergeschobene Briefe mussten die Ansicht begründenhelfen, als habe Boethius aus Ehrgeiz sich zum Verrathe verleitenlassen. Schuldig befunden, weil man ihn schuldig wollte, wurde erseines Vermögens beraubt, seiner Würden entsetzt und wahrscheinlichnach Pavia , dem damaligen Ticinum, verwiesen. Dort wurde erwenigstens nach längerer Gefangenschaft enthauptet, vermuthlich 524,der Kirchensage nach am 23. Oktober, welcher zu Pavia, Brescia und an anderen Orten wohl schon seit dem VIII. S. als Tag desheiligen Boethius gefeiert wurde. Symmaclius konnte seinem Schmerzeüber den gewaltsamen Tod seines Schwiegersohnes nicht gebieten. SeineAeiisseruugen darüber, denen es an berechtigter Schärfe nicht gefehlthaben mag, wurden dem Könige hinterbracht, der sie ebenso ahndetewie das angenommene Verbrechen dessen, dem die Klagen desSymmaclius galten. Symmaclius wurde in Fesseln nach Ravenna ge-bracht und im Gefängnisse getödtet. Auch dafür gibt die Sageeinen bestimmten Tag, den 8. Mai. Theodorieh folgte seinen Opfern,