Die spätere mathematische Literatur der ltömcr.
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Begimbertus auf Reichenau hat nämlich 821 einen Katalog der da-mals unter seiner Obhut vorhandenen Handschriften hinterlassen, unddarin ist von Boethius die Arithmetik in 2 Büchern, die Geometrie in3 Büchern genannt. 1 )
Zu diesen verschiedenen mittelbaren Zeugnissen kommt noch,dass eine ganze Anzahl von Handschriften sich bis auf den heutigenTag erhalten hat, in welchen den Titeln nach die Arithmetik, dieMusik, die Geometrie des Boethius aufgezeichnet sind. Die ältesteHandschrift der Arithmetik soll dem IX. bis X. ’S. entstammen, 2 ) dieälteste Handschrift der Musik dem IX. S., 3 ) endlich die älteste Hand-schrift der Geometrie dem XI. S. 4 )
Diese Thatsachen fassen sich also dahin zusammen, dass jeden-falls Boethius über die 4 genannten Wissensgebiete nach griechischenMustern sich verbreitet hat, und dass noch erhaltene Handschriftender drei ersten Werke mit Ausschluss der den Schluss bildendenAstronomie um das Jahr 1050 vorhanden gewesen sind und damalsfür von Boethius verfasst galten.
In der Einleitung zur Arithmetik bestätigt Boethius gleichfalls,was wir aus anderen Quellen erfahren haben, dass er über die vierverwandten Gegenstände schreiben wolle. Er bezieht sich in demWidmungsschreiben an Symmachus darauf, dass er von den viermathematischen Wissenschaften die Arithmetik, welche die erste sei,vollendet habe, 3 ) und wenn auch die Stelle, in welcher die Reihen-folge, Arithmetik, Musik, Geometrie, Astronomie angedeutet ist, weildie Menge an und für sich betrachtet in der Arithmetik, die Mengebezogen auf andere in der Musik, die unbewegte Grösse in der Geo-metrie, die bewegte in der Astronomie behandelt werde, sowie eineandere, in welcher noch näher erklärt wird, wesshalb von der Arith-metik ausgegangen werden solle, nur freie Uebersetzungen aus demNikomachus sind, 0 ) so kann auch darauf für die Absicht des Boethius Bezug genommen werden. Er hätte jene Stellen der Einleitung,wenn sie nicht seine eigenen Pläne ausdrückteu, unzweifelhaft beiSeite gelassen, denn grade hier hat sich Boethius mit grösster Un-abhängigkeit seines Stoffes bedient. Bei dieser Gelegenheit findet
') Agrimensoren, Anmerkung 245. J ) Boetius (ed. Friedlein) Leipzig ,
1867, pag. 2: codex r. 3 ) Boetius (ed. Friedlein) pag. 175: Codex g.
4 ) Boetius (ed. Friedlein) pag. 372: codex e. Friedlein gibt zwar dem
Codex n = cod. Vatican. 3123 ein höheres Alter, indem er ihn in das X. S.setzt, aber Usener (pag. 47) rückt nach eigener Anschauung diesen Codex her-unter in das XI.—XII. S. 5 ) Cum igitur quattuor matheseos disciplinarum dearithmelica, quae est prima, perscriberem, tu tantum dignus eo mutiere videbare.
. 6 ) Darauf hat Th. H. Martin aufmerksam gemacht: Les signes numeraux etl’aritlimetique chez les peuples de l’antiquite et du moyen-age. Annali di mate-maticha V. Roma, 1864, Cap. XIII, pag. 44 der Separatausgabe.