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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel XXVII.

aber keineswegs dem Boetliius zugeschriebeu wird ; sondern nur Be-weis der Geometrie, demonstratio artis geometricae, ohne Namens-nennung des Verfassers heisst, 1 ) ist unter allen Umstünden jüngerenUrsprunges. Sein Inhalt ist bunt zusammengewürfelt, und es habenganze Stücke aus der Arithmetik des Boethius selbst darinnachgewiesen werden können. Die zwei Bücher der Geometrie leidennun allerdings auch an einer Buntheit, welche auffallen muss, undwelche keineswegs mit dem übereinstimmt, was ein moderner Bear-beiter des Euklid liefern würde. Sind wir aber berechtigt, demAehnliches zu erwarten? Wir glauben nicht. Griechische Arithmetikwar, wie wir gesehen haben, den Römern nicht grade neu. Griechi-scher Geometrie in irgend gegliederter Aufeinanderfolge, euklidischerStrenge der Beweise sind wir noch nicht begegnet. Auch jene Be-arbeitung der Stereometrie in dem Veroneser Palimpseste (S. 479)schliesst sich vermuthlich nur an ein Excerpt des Euklid, nicht anden wirklichen Euklid an, und ein Excerpt muss Boethius vor sichgehabt haben, denn wie wollte er sonst die gesummten Elemente in2, ff, 4, 5 Bücher fassen, wenn wir die Gliederung zulassen wollen,welche die meisten Bücher der Geometrie des Boethius angibt? Eskann also die Geometrie des Boetliius zu der des Euklid gewiss nichtin dem gleichen Verhältnisse gestanden haben, wie die Arithmetikdesselben zu der des Nikomachus. Auch Boethius selbst in der Ein-leitung zur Geometrie gestattet uns keineswegs solche Ansprüche zuerheben: „Da ich, mein Patricier, auf Dein Ansuchen, da Du vonden Geometern wohl die meiste Uebuug besitzest, auf mich genommenhabe, das, was von Euklid über die Figuren der geometrischen Kunstdunkel vorgetragen wurde, auseinanderzusetzen und für einen leichterenEingang zuzubereiten, so glaube ich zuerst den Begriff des Messenserläutern zu müssen.“ 2 ) Die Figuren geometrischer Kunst,das ist es, was Boethius auseinaudersetzen will, und über dieFiguren der Geometrie handelte, was Gerbert gemeinschaftlichmit der Astronomie des Boethius in Mantua fand (S. 488). Wenndann Cassiodorius, der noch weniger Mathematiker war als Boethius ,daraus entnimmt, es sei eine Uebersetzung des Euklid gewesen, diejener verfasste; wenn ein Abschreiber in der Ueberschrift sagt: „Esbeginnt die Geometrie des Euklid von Boethius einleuchtender insLateinische übersetzt,“ 3 ) eine Ueberschrift, die schon ihrem Wort-laute nach nicht von Boethius herrührt, wie überhaupt auf eineUeberschrift niemals ein grösseres Gewicht zu legen ist als nach derRichtung, dass sie die Ansicht der Zeit der Abschrift uns kundgibt;

') Chasles, Apercu hist. 463, deutsch 525. Math. Beitr. Kulturl. 197.J ) Boetius (ed. Friedlein) pag. 373, 21—24. 3 ) Incipit geometria Euclidis a

Boetio in latinum lucidius translata (ed. Friedlein, pag. 373).