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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel XXVTI.

schrieb, der nach der Stelle vom Kreisdurchmesser später als Euklid gelebt habe, könne nicht der Tarentiner sein. Es sei vielmehr einrömischer Schriftsteller, ein Feldmesser oder dergleichen gewesen,der alsdann sicherlich vor Verfassung der Geometrie, in welcher ergenannt ist, aber unbestimmt wann gelebt haben muss. Mit dieserAnnahme ist die Geschichte der Mathematik bei den Römern umeinen Namen reicher, um den Architas Hatinus, aber die Schriftendes Mannes bleiben auch uns, die wir an ihn glauben, unbekannt.

Im Gegensätze dazu haben wir von einigen bekannten Schriftenvöllig unbekannter Verfasser zu reden. Der Aelteste von ihnen wirdvermuthlicli derjenige sein, den wir anderwärts den Anonymus vonGhartres genannt haben,') den man auch wohl für Julius Frontinus gehalten hat. Sei ihm tritt die Dreiecksberechnung aus den dreiSeiten nach der sogenannten heronischen Formel auf, bei ihmdie Formel für rationale Seiten rechtwinkliger Dreiecke, hei ihm derSatz vom lunenkreis des rechtwinkligen Dreiecks, bei ihm die Be-rechnung der Kugeloberdäehe gleich der vierfachen Flüche des grösstenKreises, bei ihm das Verhältuiss 22 : 7 des Kreisumfangs zum Durch-messer, kurzum richtige Dinge, welche den Verfasser wohl noch mehrals die bei ihm gerühmte ijatinität in die Bliithezeit römischer Feldmesswissenschaft hinaufrücken, während der Römer an den als Flächen-formeln benutzten Formeln für Vieleckszahlen mitten zwischen geo-metrischen Betrachtungen kenntlich bleibt.

Ein anderes Stück in demselben Sammelbaude in Ghartres ent-halten, aber wohl nicht von dem Anonymus verfasst, 2 ) bat eine Ab-handlung über das Abacusrechnen zum Inhalte, welche der desBoethius sehr ähnlich ist, aber noch weniger als die Geometrie desAnonymus sich datirungsfähig erweist.

Eine andere geometrische des Namens ihres Verfassers entbehrendeSchrift ist diejenige, welche die Ueberschrift führt: Von der Aus-messung der Jucharte, de iugeribus metiundis. Sie ist in dersogenannten Gudianischen Handschrift der Wolffenbüttler Bibliothekenthalten, mithin im IX. bis X. S. jedenfalls vorhanden gewiesen. 3 )Mehr wissen wir nicht zu sagen. Der Verfasser, zu seiner Zeit viel-leicht als grosser Mathematiker anerkannt, hat unverstandene Bruch-stücke aus den verschiedensten Vorlagen vereinigt, alte Mängel getreuübernehmend, neue hinzufügend. W ir haben nicht nüt.hig auf diesesbunte Allerlei einzugehen, nur das wollen wir uns bemerken, dass dieViereckslläche als Produkt der arithmetischen Mittel gegenüberstehen-

B Agrimensoren S. 132. Vergl. Chasles, Apercu hist. 457—459, deutsch517 figg. 2 ) Das hat Weissenborn 1. c. S. 223 gegen uns, mit Berufung aufChasles, den wir hierin missverstanden hatten, mit Recht betont. 3 ) Agrimeu-soreu S. 135 — 138.