568 Kapitel XXXI.
die grosse Masse der etwa 50U Millionen Menschen, welche chinesischreden, ihm anhängt.
Es kann unsere Aufgabe nicht sein auch nur skizzenhaft dernun folgenden Dynastien zu gedenken. Höchstens dass wir er-wähnen wollen, wie unter den Sung im Jahre 1070 ein politisch-literarischer Streit an eine Auslegung sich knüpfte, welche Wangngan chi, der Minister des Kaisers Cliin tsong, einigen Stellen desTclieöü ly gab. Damals ging man so weit die Ursprünglichkeit jenesWerkes völlig zu leugnen und es für eine Fälschung des Lieou hin,also etwa aus den drei letzten Jahrzehnten vor dem Beginne derchristlichen Zeitrechnung, zu erklären. Dass man nicht einen nochspäteren Zeitpunkt für das unterschobene Werk annahm, war wohlvorzugsweise in der Lebenszeit der Commeutatoren des Tclieöü lybegründet. Man kannte damals hauptsächlich drei solcher Commenta-toren Tching tong dem I. S. n. dir., Teliin kliang tching dem H. S.,Kiu kong yen dem VIII. S. angehörig, von welchen insbesondere derzweite zur Sicherung des Originals seit seinem Lehen dienen konnte ,weil sein Commentar über das ganze Werk fortläuft und stete Ver-gleichungen mit den Sitten und Kegeln, mit den Würden und Ob-liegenheiten seiner Zeit anstellt.') Hundert Jahre nach jenemStreite trat ein vierter Conimentator Wang tcliao yu hinzu, und nunam Ende des XII. S. verfocht auch der gelehrte Tchu hi wieder dievolle Echtheit des Tclieöü ly.
Auf die Sung folgte ein fremdes Herrschergeschlecht. Mongolendrangen in China ein und gaben dem Reiche eine Dynastie, welche1275—1368 den Kaiserthron besetzt hielt, bis sie, die sogenannteLlynastie Yuen, verdrängt wurde durch die einheimische DynastieMing 1368—1644. Im Gefolge der Mongolen kamen, wie mit Be-stimmtheit bekannt ist, arabische Gelehrte an den Kaiserhof vonChina ihre wieder ganz anders geartete AVissenschaft mit sich führend,freilich nicht die ersten Araber, welche in China erschienen, dennschon 615 nach Chr., 713, 726, 756, 798 waren arabische Gesandt-schaften dorthin gelangt, das heisstllandeltreibende, deren Anführer, ummehr beachtet und geachtet zu sein, sich als Abgeordnete des Herrschersder Araber aufspielten. Der Name, unter welchem die Araber er-wähnt werden, ist Ta sclii, das ist Tüzy der persische Name der-selben. 2 ) In die Mongolenzeit fallen auch die Reisen des VenetianersMarco Polo, dessen Berichte bei der 1295 erfolgten Heimkehr aufunverdienten Unglauben stiesseii. Erst unter der Mingdynastiesuchten andere Europäer dem Beispiele des Wundermanns, der von
') Tcheöu ly I, pag. LX—LXI. 2 ) Bretschneider, On the knoivledgcpossessed by the Chinese of the Arabs and Arabien Colonies. London , 1871 undA. v. Kremer, Culturgeschichte des Orients II, ü80. Wien , 1877.