Band 
Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
Entstehung
Seite
570
JPEG-Download
 

570

Kapitel XXXI.

zweiter Hand allein uns stützend, liier gegeben haben, soll uns mehr-fache Zwecke erfüllen. Er soll uns gestatten im Verlaufe diesesKapitels der Dynastien als Zeitbestimmungen uns zu bedienen. Ersoll zweitens in ein helles Licht setzen, dass die Kultur des Reiches,mit welchem wir uns zu beschäftigen haben, doch nicht so sehrgegen auswärtige Einflüsse abgeschlossen war, als man in gebildetenKreisen Europas zu wähnen pflegt, dass vielmehr in dem Zeitraum,welcher mit dem VI. vorchristlichen Jahrhundert beginnt, der Reihenach jüdisch - babylonische, dann indische, dann arabische, danneuropäische Wissenschaft die Gelegenheit hatte in China einzudringen,eine Gelegenheit welche kaum jemals unbenutzt verlaufen sein mag.Er soll drittens uns bemerklich machen, dass den chinesischen Zeit-angaben für schriftstellerische Ueberreste nicht immer Glaube bei-zumessen ist, dass es häufig absichtliche Rückverlegungen sind,von Chinesen selbst wenigstens im Eifer gelehrter Streitigkeitenals solche verunglimpft und ihres Ansehens für unwürdig erklärt.

Steht es docli um die Glaubwürdigkeit chinesischer Berichteüberhaupt nicht sonderlich, und ohne auf Gründe psychologischerArt uns einzulassen, die man weder behaupten noch verwerfen sollte,ohne sich auf eigne Kenntniss des betreffenden Volkscharaktersstützen zu können, wollen wir nur ein Moment hervorlieben: Dasist die buddhistische Neigung zur Anwendung grosser Zahlen, welchein China ihren Gipfelpunkt erreichte und in dem Namen Sand desGanges, beug ho cha, welcher dem IO* 3 beigelegt werde 1 ), ihrenUrsprung deutlich an den Tag legt.

Man könnte ferner aus dem Umfange vorhandener chinesischerEncyklopädien den Rückschluss ziehen, dass viel Unwahres in den-selben mit in Kauf genommen werden muss. Wenn uns gesagtwird, dass eine solche Encyklopädie, welche den Namen Yün lö tätien führt, aus beinahe 15 000 Bänden bestehe 2 ), so kann uns dasschon eiu Kopfschütteln entlocken. Wenn nun aber gar eine neueEncyklopädie, zu deren Herstellung Kaiser Kieu löng den Befehlgab, auf 160 000 Bände veranschlagt worden ist, von welchen iibSr100000 bereits vollendet seien 3 ), so ruft diese Mitheilung in unspersönlich keineswegs das Gefühl demüthiger Bewunderung hervor,welches den Berichterstatter offenbar durchdringt. Wir kommenvielmehr selbst unter Beschränkung der Stärke der Bände auf dasGeringfügigste und unter Ausdehnung der durch Blumenreichthumder Sprache trotz der ungemein raumsparenden Wortschrift erzieltenRaumverschwendung auf das Unerträglichste nur zu dem einen Ge-

') Ed. Biot , Table generale d’un ouvrage chinonis intitule Souan-fa-tong-

tson ou Collection des regles du calcul im Journal Asiatiguc vom März 1831).

3 iemc Serie, VII, 195. 2 J Perny 1, 10. 3 ) Perny II, 7.