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Kapitel XXXI.
wenn diese acht Seilstücke sämmtlich dicht am l’fahle heruuter-hängen, so sei keine senkrechte Aufstellung gewährleistet.
Für jeden Leser dieses Bandes muss hier Mancherlei auffallen:die Nivellirung nach der Wasserfläche, die Bestätigung des Senk-rechtstehens eines Pfahles durch hängende Seilstücke, die Benutzungeines Schattenzeigers, die Beobachtung des Schattens der auf- undder untergehenden Sonne zur Orientiruug nach den Himmelsgegenden,das sind Alles Dinge, die uns in Alexandria oder aus Alexandria stammend in Rom begegnet sind, die mindestens im Jahre 100 v. Chr.im Westen bekannt waren und uns nun im fernsten Osten zu Ge-sicht kommen. Es dürfte kaum einen anderen Ausweg geben, alsentweder mit den lieissspornigsten Sinologen anzunehmen, die ganzeMathematik und Astronomie sei altchinesische Erfindung und sei vondort zu den Völkern des Westens gelangt, oder aber mit denZweiflern unter den Chinesen selbst die Entstehung des Tcheou lyin eine Zeit kurz vor Christi Geburt herabzulegen und zu schliessen,es müsse damals schon aus Alexandria über Indien , wo wir auchein sehr einfaches Wassernivellement hätten nachweisen können,')oiler wieder aus Babylon, dessen mathematische Vergangenheit unsvon Abschnitt zu Abschnitt merkwürdiger und erforschungsbedürftigerwird, dergleichen nach China gedrungen sein. Diese Zwangswahlwird unseren Lesern noch mehr als einmal im Laufe dieses Kapitelssich aufdrängen, auch wenn wir nicht darauf aufmerksam machen,hat sich ihnen vielleicht schon geboten, als wir vom 00jährigenCyklus des lluäng ti sprachen. Wir haben in der letztangeführtenStelle des Tclieöu ly: „Sie machen einen Kreis und beobachten denSchatten der aufgehenden Sonne und den Schatten der uutergehen-den Sonne“ das uns wohlbekannte Orientirungsvertähreu er-kannt. Dass wir in dem vielleicht auch anderer Deutung fähigenWortlaut nicht mehr hinein als herauslesen, beweist eine Stelleeines mathematischen Werkes, mit welchem wir uns jetzt be-schäftigen müssen.
„Wenn die Sonne zu erscheinen beginnt errichte eine Beobachtungs-stange und beobachte den Schatten. Beobachte den Schatten aufsNeue, wenn die Sonne uutergeht. Die beiden Hauptschattenpunkte,welche sich entsprechen, bezeichnen Ost und West. Theile derenEntfernung hälftig und ziehe eine Linie nach der Beobachtungsstangehin, so wirst Du Süd und Nord bestimmt haben.“ So unzweideutigspricht sich der Tcheou pei aus. 2 )
') L. Kodet, Legons de calcul d'Aryahhata pag. 27—28. 2 ) Kd. lliot,
Traduction et examen d'un ancien ouvraye chinois intitule Tcheou pei, litterale-ment: tityle ou signal dans une circonference im Journal Asiatii/ue vom Juni1841, pag. 593 — 639. Die liier angeführte Stelle der künftig als Tcheou-pei zucitirenden Uehersetzung auf pag. 624.