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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel XXXII.

setzer des Diophant zu nennen ist. Er verliess schon mit 20 Jahrenseine Heimath uni nach 'Irak überzusiedeln, wo er spekulative undpraktische Arithmetik vermuthlich bei zwei Oheimen, Geometrie beizwei anderen Lehrern studirte. Unter der spekulativen Arith-metik ist das zu verstehen, was die Griechen Arithmetik nannten,also Zahlentheorie und Algebra, unter der praktischen Arith-metik die eigentliche Rechenkunst, die Logistik der Griechen,wobei jedoch keineswegs jetzt schon mit Bestimmtheit ausge-sprochen werden will, dass er beide nach griechischen Mustern er-lernt habe.

Die griechischen Schriftsteller, deren Werke wir als von Arabernübersetzt namhaft zu machen hatten, sind neben den grossen MeisternEuklid, Archimed, Apollonius , Heron, Diophant hauptsächlich solche,welche den sogenannten kleinen Astronomen (S. 380) der Griechenausmachten. Die Araber hatten für diese Schriften, deren Studiumzwischen die Elemente des Euklid und den Almagest einzuschalteuist, gleichfalls einen besonderen Sammelnamen, sie nannten sie diemittleren Bücher.')

Man muss nicht glauben, dass damit die Reihe griechischerMathematiker, von denen man weiss, dass ihre Schriften arabischeUebersetzer fanden, abgeschlossen sei, und ebensowenig, dass eseine einfache Sache sei aus arabischen Citaten klug zu werden.Wenn es natürlich ist, dass Eigennamen, bei welchen mau sich,auch wenn man die Sprache des Volkes, dem ihre Träger angehörten,kennt, gar häutig Nichts denken kann oder Falsches sich zu denkenversucht ist, beim Uebergang in fremde Literaturen verdorben werden,so haben die Araber ein besonderes Geschick an den Tag gelegtNamen unkenntlich zu machen. Sind nun vollends die arabischen Schriften nicht im Urtexte bekannt, sondern selbst wieder in Gestaltvon Uebersetzungen ins Lateinische, welche seit dem XII. S. auge-fertigt wurden, so ist das Unmögliche an Verketzerungen fast das ge-wöhnliche. Aus Ileron ist Iran und Yrinius geworden, 2 ) ausMeuelaus Milleius, aus Archimed bald Arsamites, bald Arsa-nides, bald Archimenides u. s. w. :! )

Einen Vortheil bieten diese Umgestaltungen, sobald sie einmalerkannt sind; sie geben die Möglichkeit lateinischen Uebersetzungenoder Bearbeitungen griechischer Schriftsteller, welche dieselben ent-halten, auf den ersten Blick anzusehen, dass nicht der griechischeGrundtext, sondern die Zwischeubehandlung eines Arabers die Vor-

') Steinschneider, Die mittleren Bücher der Araber und ihre BearbeiterZeitschr. Math. Phys. X. 456 498 (1865). *) Zeitschr. Math. I’hys. X, 489, An-merkung 60. 3 ) Steinschneider in der Hebräischen Bibliographie Juli-August

1864 (Bd. VII, Nro. 40) S. 92—93, Anmerkung 20.