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Kapitel XXXVIII.
in zierlichen irischen Buchstaben entstanden an den verschiedenstenOrten saubere Abschriften des gemischtesten Inhaltes. Die Klösteririschen Ursprungs wetteiferten so in ihren bildungsfreundlicheu Be-strebungen mit denen der Benedictiner, da und dort mit ihnen ver-schmolzen.
Gleichfalls von Irland aus ging ein früher Zug von Missionärenhinüber nach der nahe gelegenen grösseren Insel, nach Schottland und England. Allerdings war ihr Wirken dort nicht von nach-haltigem Erfolge. Nachdem am Anfänge des V. S. bereits Ninianim südlichen Schottland das Christenthum verbreitet hatte, wurde esnach der erobernden Einwanderung der Angeln und Sachsen um 450theils wieder vernichtet, theils in die Gebirge zurückgedrängt. UnterPapst Gregor dem Grossen begann von ltom aus 59G der wiederholteVersuch jene Lande zu bekehren, und bald war Canterbury derSitz eines Erzbischofs, und der König von Kent nahm den neuenGlauben au. So gab es auf der britischen Hauptinsel zwei Kirchen,die ältere und die jüngere, örtlich von einander getrennt, in Gewohn-heiten und Einrichtungen mehrfach von einander abweichend,namentlich in einem Punkte, der von Wichtigkeit wurde, so gering-fügig der Streitpunkt an sich uns erscheinen mag.
Die südliche, römische Festordnung verlangte, dass die Feier desOsterfestes als des Festes der Auferstehung frühestens am Abend des14. Nisam, spätestens am Abend des 20. Nisam jüdischer Rechnungbeginne. Die nordische, britische Ordnung wollte das Festzwischen um einen Tag früher gelegenen äussersten Grenzen feiern.
Es kam im Jahre 6G4 zu einer öffentlichen Disputation überdiesen Gegenstand unter dem Vorsitze Königs Oswin, und dieser ent-schied zu Gunsten der römischen Auffassung. Es lässt sich denken,dass solche Vorgänge ein reges Interesse für den Gegenstand er-wecken mussten, über den man öffentlich gestritten hatte, einInteresse, das in letzter Linie dem Rechner und seiner Kunst zu gutkommen musste. Der nun geeinigten Kirche festeren Zusammenhaltzu geben schickte Papst Vitalian , nachdem der Bischofssitz inCanterbury 669 erledigt war, zwei neue hochbegabte Männer,Theodor als Bischof, Hadrian als seinen Rathgeber. Theodorspersönliche wissenschaftliche Neigungen begegneten sich mit demeben hervorgehobenen Interesse, sei es dass wir darin eine Gunst desZufalles zu erblicken haben, sei es dass bei seiner Wahl Rücksichtdarauf genommen worden war. Er achtete streng darauf, dass fürden ihm untergebenen angelsächsischen Klerus neben der heiligenSchrift und der mit dem Studium desselben zusammenhängendensachlichen und sprachlichen Unterweisungen auch Metrik, Astronomieund kirchliche Festrechnung Gegenstände des klösterlichen Unter-richts wurden. Sprachstudien waren nicht weniger gefördert. Es