Kapitel XXXX.
77t)
Umstand, der, scheint es uns, nicht übersehen werden darf, wenn essich darum handelt ein geistiges Bild jener Zeit zu entwerfen unddie mehr und mehr sich geltend machende Einwirkung arabischerWissenschaft auf das Abendland zu schildern. Mit dem Jahr 1100beginnen die Kreuzzüge. Jeder wissenschaftliche Zweck war den-selben fremd, aber wissenschaftliche Erfolge haben sie gehabt. Wirhaben (S. 6G8) berührt, dass die Kreuzfahrer im Oriente auf eineihnen überlegene Bildung stiessen, dass zwei Jahrhunderte lang derVerkehr ein meistens feindlicher aber in längeren Pausen auch einnachbarlich freundlicher war. Wie ehedem nestorianische Christendie Aerzte der Chalifen gewesen waren und zur Einführung griechi-scher Wissenschaft unter die Araber das Meiste beigetragen haben,so bildete jetzt wieder medizinisches und astrologisches Wissen denEreipass, auf welchen hin arabische und jüdische in arabischerSchulung gebildete Aerzte und Sterndeuter an den christlichen Höfenerschienen. Sie kamen von Osten her, aber auch Spanien stellte seineMänner, und Sicilien lieferte für ganz Unteritalien im XII. und mehrnoch im XIII. S. den belebenden geistigen Sauerstoff.
Für Italien waren die Kreuzzüge noch in mehreren anderen Be-ziehungen von nicht zu unterschätzenden Folgen. 1 ) Die Menschen-masse, welche in den Kreuzzügen sich nach Osten wälzte, die Einengetrieben von heiligem Glaubenseifer, die Anderen beseelt von demWunsche die äusseren Vortheile zu gemessen, zu welchen die Kreuz-nahme berechtigte, die Dritten mit fortgerissen von dem allgemeinenZuge, bezifferte sich auf viele Millionen. Die Meisten nahmen ihrenWeg über Italien ; nicht Wenige kehrten bis dahin, aber auch nurbis dahin zurück. Der kaufmännische Geist der Italiener wussteaus dieser Strömung vielfach Nutzen zu ziehen. Italiener — Lom-barden wie man sie gewöhnlich nannte — erschienen in den Mittel-punkten, wo Kreuzfahrer sich sammelten, boten gegen werthvollesPfand und hohen Zins ihre Geldhilfe an, welche gern in Anspruchgenommen ihnen gestattete aus dem Gewinne ganze Strassen zubauen, die bis auf den heutigen Tag sich nach ihnen benennen.Die zurückkehrenden Kreuzfahrer Hessen sich nicht minder ausnutzen.Sie brachten Beutestücke mit, die sie in Geld umsetzten, um denüppigeren Neigungen zu genügen, welche sie insbesondere in Bezugauf Speisen und Kleidung angenommen hatten. Und wieder warencs die Italiener, die vorzugsweise es auszubeuten wussten, dass dieGewürze, die Seide des Orients zu Lebensbedürfnissen geworden waren.An der Nordküste Afrikas, wie in Aegypten , wie an dem Strande desehemaligen Tyrus entstanden italienische Handelsplätze, überall in