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Zweiter Band. Von 1200-1668. Zweiter Teilband. Von 1550-1668.
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Rechenkunst und Algebra. 577

kommen, ohne ihn zu erreichen, 1 ) und das sei in zwei Fällen möglich,entweder bei Brüchen wie j!, die in einen genau gleichen Dezimal-bruch sich nicht verwandeln lassen, oder bei Wurzelgrössen, welcheirrational sind.

Stevins Bearbeitung des Diophaut haben wir hier nur so weitzu erwähnen, als wir bemerken, dass die gleichen Zeichen dort an-gewandt sind, welche der Algebra dienen, dass ein Gleichheitszeichenda wie dort fehlt, wiewohl Stevin bei Xylander, dessen lateinischeUebersetzung er nur weiter ins Französische übertrug, 2 ) ein solcheshatte kennen lernen müssen.

Der grösste Algebraiker der Zeit war Vieta. Seine erste alge-braische Schrift In artem ancilyticam isagoge , 3 ) Einleitung in dieanalytische Kunst, erschien 1591. Sie sollte nur einen Tlieil einesgrösseren Werkes unter dem Namen der wiederhergestellten mathe-matischen Analysis oder der neuen Algebra bilden. Die Titel sämmt-licher Theile sind der Widmung vorausgeschickt, welche in schwül-stigem Tone an die aus dem Geschlechte Melusiuens stammendeFürstin Katharina von Rohan gerichtet ist. Wir bemerken dabei,dass überhaupt die Sitte der Zeit in Frankreich und Deutschland einer einfachen, klaren Sprache abhold war. Je mehr dem Griechi-schen entlehnte Neubildungen, je mehr Floskeln, je farbenreicheremythologische Bilder vorkamen, für um so vollendeter galt eine Ab-handlung. Man muss dies wissen, um Stevins unübertreffliche Klar-heit würdigen, um Yieta’s und Anderer Unverständlichkeit verzeihen zukönnen. Ob jene 1591 dem Titel nach vorhandenen Schriften auch that-sächlich alle bereits druckreif waren, wissen wir nicht, wahrscheinlichist es wohl. Dann stammen aus jener frühen Zeit die 1593 gedrucktenEffertionum geometricarum canonica recensis (S. 538) und das Supple-ment um geometriae, ebenso die gar erst 1615 mit Beweisen versehenenTheoremata ad angulares Sectiones (S. 559), welche selbst nur einAuszug aus einer dreitheiligen Schrift waren, 4 ) von der das Meisteverloren ging. Verloren sind auch die 1591 genannten 7 erstenBücher der Antworten auf verschiedene Fragen, 5 ) zu welchen offenbarals Fortsetzung das 1593 gedruckte 8. Buch (S. 539) gehörte, jeden-falls ein ungemein zu beklagender Verlust, wenn die ersten Bücherdem letzten nur halbwegs ebenbürtig waren. Die Isagoge ist, wie

1 ) II peut avenir qu'on pourra approcher infiniment au requis Sans toutesfois

par ceste maniere pouvoir parvenir a la parfaicte sdlution. 2 ) Stevin I, 102.

3 ) Vieta 1 — 12. — F. Ritter hat eine mit Anmerkungen bereicherte Ueber-

setzung im Bullet. Boncompagni I, 225—244 erscheinen lassen, welcher derOriginaldruck von 1591 zu Grunde liegt. 4 ) Analyse des sections angulairesdistribuce en trois parties nach Ritters Uebersetzung. s ) Sept livres de diffe-

rentes reponses sur des sujets mathanatiques.