Band 
Zweiter Band. Von 1200-1668. Zweiter Teilband. Von 1550-1668.
Entstehung
Seite
776
JPEG-Download
 

776

Kapitel LXX1X.

centius und führt dort den besonderen Namen Spiiralis et parabolacsi/mbolizatio .') Es genügt nicht, auf das Druckjahr 1635 der Indivi-sibilien, auf dasjenige 1647 des grossen Werkes von Gregorius hin-zuweisen, denn dieser Schriftsteller erzählt in der Vorrede zum ganzenWerke, dasselbe sei bis auf einen besonders genannten anderen Ab-schnitt schon 1625 vollendet gewesen; er wiederholt dann in der Ein-leitung zur Symbolizatio, er habe diese Methode 1625 in Rom demPater Christoph Grimberger mitgetheilt, welcher sein Mitschülerim Unterrichte durch Pater Clavius gewesen sei. Aber andererseitsist auch diese Erzählung nicht gegen jeden Zweifel gesichert, dennGrimberger war seit 1636 todt und konnte die auf ihn bezüglicheThatsache 1647 weder bestätigen noch Lüge strafen. Cavalieri da-gegen starb itn Erscheinungsjahre des Opus geometricum und kanndadurch au der Abwälzung des auf ihn geworfenen Verdachtes ver-hindert gewesen sein, er kann auch geschwiegen haben, weil er sichschuldig fühlte. Hier tritt also unvermittelt, und, wie uns scheint, un-vermittelbar das Dilemma zu Tag: entweder Gregorius hat eine ge-radezu lügenhafte Angabe' gemacht, und dabei einen passenden Namenzu einer von Cavalieri herrührenden Methode erfunden, oder Cavalierihat als sein Eigenthum vorgetragen, was er nicht erfand, was aber,weil dabei, wenn auch kreisförmig gekrümmte Indivisibilien, immerhinIndivisibilien in Anwendung kamen, sehr wohl seinem Geiste ent-stammt sein konnte. Oder will man den dritten Ausweg für mög-lich halten, dass beide Männer, jeder für sich, auf den fast sonderbarzu nennenden Einfall kamen? Wir verzichten darauf, für das Eineoder für das Andere oder für das Dritte uns zu entscheiden.

Kapitel LXXIX.llescartes. Fermat.

Wir wollten Cavalieri’s Untersuchungen, welche man ähnlich wiedie vorausgegangene Doliometrie Keplers als Quadraturen undKubaturen bezweckend bezeichnen wird, im Zusammenhänge vor-tragen. Wir haben dadurch eine Anzahl von Jahren zwischen derersten Ausgabe der Indivisibilien und dem Erscheinen der Exer-citationes zunächst übersprungen, welche für die Geschichte der Infini-tesimalbetrachtungen sehr fruchtbar waren. Kehren wir in die nächsteZeit nach 1635 zurück, zum Jahre 1637, dem Druckjahre der Geo-metrie des Descartes.

Dort ist zum ersten Male die Auflösung einer Aufgabe in dieOefientlichkeit getreten, welche von nun an Jahrzehnte hindurch nicht

') Opus geometricum pag. 664.