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Kapitel LXX1X.
sich nicht veranlasst sah, welche aber bewusst oder unbewusst ihnin seinen eigenen Untersuchungen förderten? Darauf werden wirantworten müssen, wenn wir noch andere Schriftsteller kennen ge-lernt haben.
Fermat schickte, sagten wir, 1638 seine Abhandlung über Fragender Differentialrechnung an Descartes, der am 18. Januar diesesJahres gegen Mersenne über das erhaltene Schriftstück sich äusserte.Das war indessen nicht die erste wissenschaftliche Begegnung beiderMänner, und wiewohl die Ereignisse, von denen wir eine Andeutunggeben müssen, weniger die Geschichte der Mathematik als die derMathematiker angeht, so dürfen sie doch nicht ganz übergangenwerden.')
Der Band Descartes’scher Schriften, welcher um Juni 1637 diePresse verliess, enthielt ausser der Geometrie noch andere Abhand-lungen, darunter die Dioptrik. De Beaugrand, dessen Name unsmehr begegnen wird, begierig, noch vor der eigentlichen Veröffent-lichung die neue Lehre von der Lichtbrechung kennen zu lernen,verschaffte sich durch einen Angestellten bei der Druckerei die ein-zelnen Aushängebogen, sobald sie fertig waren. Er schickte so danndie vereinigten Bogen, welche die ganze Dioptrik enthielten, an Fer-mat zum Lesen. Dieses erfuhr Mersenne und schrieb nun seinerseitsan Fermat, Descartes hege den Wunsch, Alle, denen er sein Buchals Geschenk zuschicke, möchten ihm ihre Bemerkungen darüberzukommen lassen, und wenn er, Fermat, die Dioptrik auch nichtauf diesem unmittelbaren Wege erhalten habe, so werde er doch ge-wiss gleichfalls den Wunsch des Verfassers erfüllen. Die Absichtwar, dass nicht schon vor dem Erscheinen der Dioptrik Bemängelungenlaut würden, und diese Absicht wurde erreicht. Fermat schicktekritische Bemerkungen in erheblicher Anzahl ein, aber wenn auchder Geschichte der Physik die eigentliche Aufgabe zufällt, diejenigenStreitigkeiten zu schildern, welche jetzt schon über die Dioptrikzwischen Fermat und Descartes entstanden, wir dürfen nicht ver-schweigen, dass Fermat wenigstens anfangs im Unrecht war, und dassman es Descartes kaum verübeln kann, wenn er am 18. Januar 1638Mersenne auftrug, Fermat zu sagen, er möge ihm fernerhin nicht sounverdaute Dinge vorlegen.
Damals war aber Descartes gerade in Besitz der Abhandlungüber Maxima und Minima gelangt, und, wie es im Leben so häufigvorkommt, er Hess sich dieser Abhandlung gegenüber den gleichenFehler in erhöhtem Grade zu Schulden kommen, den Fermat gegenseine Dioptrik begangen hatte. Bei der Dioptrik handelte es sich
') Gratien-Arnoult, Polemique de Descartes et de Fermat durant lesannees 1637 et 1638 in den Memoires de l'Academie des Sciences de Toulouse 1870,pag. 383—401.