Roberval. Torricelli.
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9. April 1044; an einer Stelle spricht Torricelli von einer halbjährigenUnterbrechung seiner Arbeiten, omissa per integrum semestre libcllorumeura; fällt also, was nicht geradezu gesagt ist, dieses halbe Jahr indie Zeit während des Druckes, so gelangt man etwa zum October1644 als Zeit der eigentlichen Ausgabe. 1 ) Daneben ist ein BriefTorricelli’s vom 1. Mai 1644 zu beachten, in welchem er Mersenneberichtet, zwei seiner kleineren Schriften seien fertig gedruckt. 2 ) Daswaren aber doch wohl die beiden ersten, also auch die De motu,welche den in Frage kommenden Satz enthält. Nun die Cogitata.Bei ihnen ist ein Zweifel nicht möglich. Peracta est haec impressiodie 15 Septembris 1044 heisst es am Schlüsse, 3 ) und wenn vom Endedes Druckes bis zur Versendung nur wenige Wochen gerechnetwerden, so kommen wir gleichfalls zum October 1644. Die beidenBücher gelangten demnach so gut wie gleichzeitig an die Oeffeutlich-keit, jedenfalls so nahe beieinander, dass es ausgeschlossen ist, dassTorricelli aus dem Buche von Mersenne, oder Roberval aus dem Buchevon Torricelli seine Methode entnehmen konnte. Letzterer Vorwurfist überhaupt nie erhoben worden. Wenn aber ersterer auch in nichtszerfällt, worauf stützt sich dann Robervals schwere Anklage geistigenDiebstahls gegen Torricelli?
Pascal erzählt es uns. 4 ) Im Jahre 1638 habe De Beaugrandalle von Roberval entdeckten Sätze über die Cycloide und FermatsMethode der grössten und kleinsten Werthe an Galilei geschickt,ohne den eigentlichen Erfinder zu nennen, weil er damit wahrschein-lich die Meinung hervorrufen wollte, als sei Alles sein Eigenthum.Er habe diese irrige Meinung noch dadurch gestützt, dass er stattvon der Trochoide oder Rolllinie zu reden, den Namen der Cycloidebenutzte, den er sich ausgedacht hatte. Als nun Galilei und De Beau-grand beide gestorben waren, und Torricelli unter den Papieren desErsteren den Brief des Letzteren fand, habe er geglaubt, sich Allesaneignen zu können mit einziger Ausnahme der Erfindung der Cycloide,welche er Galilei zuwies, dem sie aber ebensowenig angehörte als ihmdas Uebrige.
Als Pascal 1658 diese Erzählung veröffentlichte, von welcher ernicht sagt, wie er selbst sie in Erfahrung gebracht habe, war vonallen betheiligten Personen einzig Roberval am Leben. Dieser mussalso wohl Pascals Zuträger gewesen sein. Wer hätte es auch selbstin früherer Zeit, als De Beaugrand, als Torricelli lebten, sein sollen?De Beaugrand, auf welchen der Erzählung gemäss ein recht empfind-licher Flecken fällt? Oder Torricelli, der Angeklagte? Nachträglichwenigstens, behauptet Pascal, habe Torricelli Alles eingestanden, und
') Jacoli 1. c. pag. 269—270. 2 ) Ebenda pag. 271.
3 ) Ebenda pag. 275.