Band 
Zweiter Band. Von 1200-1668. Zweiter Teilband. Von 1550-1668.
Entstehung
Seite
813
JPEG-Download
 

Roberval. Torricelli.

818

nach erwähnen. Am 23. August 1638 schrieb Descartes an Mer-senne, *) er freue sich ungemein über dessen Mittheilung, dass keinerseiner Mathematiker, auch nicht Roberval, die Cycloidentangentezu ziehen wisse. Descartes knüpfte daran die Mittheilung seinereigenen Auflösung dieser Aufgabe (S. 781), welche somit die ersteüberhaupt gegebene war, welcher dann die von Fermat(S. 786) aufdem Fusse folgte. Schon am 25. September 1638 war sie im Besitzevon Descartes, der an diesem Tage seine Bewunderung der Fermat-schen Ableitung in die früher (S. 800) von uns erwähnten Wortekleidete, er habe Niemand gekannt, der auf ihn den Eindruck ge-macht hätte, so viel wie Fermat von Geometrie zu verstehen. Beider Cycloide, fuhr Descartes fort, 2 ) ist es nicht leicht, die Regeln an-zuwenden, welche bei anderen Curven zum Ziele führen, und Herrvon Roberval, der die Aufgabe stellte, und der zweifellosauch einer der ersten Geometer unseres Jahrhunderts ist,hat eingestanden, die Auflösung nicht zu kennen, auchkein Mittel zu wissen, zu ihr zu gelangen. Freilich hat erseitdem auch gesagt, er habe die Auflösung gefunden, aber das ge-schah folgenden Tages, nachdem er erfahren, dass wir beide ihmLösungen zugeschickt hätten. Am 8. October 1638 äussert sich Des-cartes gegen Mersenne abermals in ähnlicher Weise. 3 ) Robervalmache sich bis zu einem gewissen Grade lächerlich, indem er glaubenmachen wolle, er habe die Cycloidentangente gerade am folgendenTage erfunden, nachdem er erfahren, dass Descartes’ Auflösung beiMersenne angelangt sei. Wieder einen Monat später in einem Briefean Mersenne vom 15. November 1638 macht sich Descartes über vierbis fünf verschiedene aber stets unrichtige Versuche Robervals dieCycloidentangente zu ermitteln lustig, 4 ) und sogar noch am 30. April1639 bricht er in Lachen aus, 5 ) il faut que je rie, dass Mersenne ihmjetzt schon fünf oder sechs stets von einander verschiedene Tangenten-zeichnungen für die Cycloide zugeschickt habe, welche sämmtlich mitFehlern behaftet gewesen seien. Nun mag ja zu Robervals Gunstendiesen Bemängelungen seiner Constructionen durch Descartes nichtunbesehen Recht gegeben werden wollen, aber Eines geht aus Rober-vals wiederholten Versuchen unwiderleglich hervor: dass er vorApril 1639 nicht im Besitz der Anwendung der Methodedes Kräfteparallelogrammes auf die Cycloidentangentegewesen sein kann, also auch wahrscheinlich überhaupt nicht imBesitze jener Methode, welche, wie Roberval am 1. Januar 1646 sehrrichtig an Torricelli schrieb (S. 811), bei keiner Curve leichter als beider Cycloide in Anwendung trete.

') Oeuvres de Descartes (ed. Cousin) VII, 88. 2 ) Ebenda VII, 86

3 ) Ebenda VII, 449. 4 ) Ebenda VIII, 16. 6 ) Ebenda VIII, 115.