814
Kapitel LXXX.
Damit fällt aber die ganze gegen Torricelli erhobeneAnklage zusammen, denn De Beaugrand konnte unmög-lich 1638 an Galilei schicken, was frühestens 1639 vor-handen war. Die Untersuchung hat somit festgestellt, was bei demfast von keinerlei Makel betroffenen Charakter Torricelli’s zu ver-muthen war, dass diesem gerechterweise ein Vorwurf, die Tangenten-methode Robervals sich widerrechtlich ungeeignet zu haben, nicht ge-macht werden kann, dass vielmehr beide, Roberval und Torricelli,selbständig und wahrscheinlich ziemlich gleichzeitig auf den geist-reichen und an sich eines Eigenthumstreites wohl würdigen Gedankengekommen zu sein scheinen.
Wir haben (S. 808) aus Torricelli’s Opera geometrica nur seineTangentenmethode erwähnt und sind wegen des darüber entstandenenerbitterten litterarischen Streites längere Zeit bei ihr stehen geblieben,aber auch Anderes ist noch erwähnenswerth.') In der AbhandlungDe solido hyperbolico ist der Satz ausgesprochen, dass, wenn (Figur 373)
CD die Asymptote der Hyperbel AE ist,der Umdrehungskörperdes unendlichen beiAB anfangenden Flächenstückes zwischenHyperbel und Asymptote um die Asymptoteals Drehungsaxe dem Cylinder gleich sei,welchen das Rechteck AB CD bei seinerUmdrehung um BC hervorbringe. Ein^ für die Zeit seiner Entstehung sehr rnerk-
würdiger Satz wird auch aus der Abhand-lung De motu projectorum angeführt. 2 ) Torricelli habe gewusst, dass,wenn man aus einem und demselben Punkte mit einer und derselbenAnfangsgeschwindigkeit Körper in die Höhe werfe und nur denWinkel, unter welchem sie geworfen werden, jeden möglichen Werthannehmeu lasse, die Scheitelpunkte aller dieser Wurfparabeln eineneue Parabel zum geometrischen Orte haben. Torricelli hat somitzuerst den Begriff der ein hüllenden Linie geahnt, wenn auchkeineswegs deutlich erkannt. In seinen Untersuchungen über dieCycloide machte er sich eines Irrthums schuldig. Er hielt den Um-drehungskörper der um ihre grösste Ordinate gedrehten Cycloide
fälschlich für des umschriebenen Cylinders, während Roberval
die Raumbestimmung dieses Körpers richtig stellte.
Gleich Torricelli hatte auch ein englischer Schriftsteller, den wirhier erwähnen müssen, Castelli zum Lehrer. Er nannte sichRichard White 3 ) und mit latinisiertem Namen Ilicardus Albius
’i Montucla II, 90. *) Heller, Geschichte der Physik II, T06. 3 ) Dass
der richtige englische Name White ist, lässt schon die Uebersetzung in Albiusvermuthen. Vergl. auch Graesse, Tresor des livres rares et precieux VI 2 ,