Geschichte d. Mathematik. Klassikerausgaben. Infinitesimalrechng. bis 1704. 27)7
Apollonius abgeschrieben, hatte er gleichfalls schon vor seiner Nieder-lassung in Oxford 1G71 und 1G72 einen Anlauf genommen, dieseKegelschnitte in Gemeinschaft mit Isaac Barrow herauszugehen.Jetzt erweiterten sich nur seine Pläne. Aber Bernard war der Manngrosser Entwürfe, zögernder Ausführung. Auch eine Ausgabe desJosephus , die er daneben im Sinne führte, blieb stecken, und derSpottvers lief auf ihn um:
Savilian Bernard is a right learned man,
Josephus he will finish when he can.
Weder eine Ausgabe des Josephus noch eines Mathematikers kam zuStande, und das ist der Grund, aus welchem Bernard im 82. Kapitelunerwähnt bleiben durfte. Sein Biograph Smith konnte 1704 nurdie Titel jener Schriften nennen, welche Bernard in 14 Bänden heraus-zugeben beabsichtigte 1 ). Der grosse Plan war aber keineswegs mitBernard zu Grabe getragen worden. David Gregory -) (1(161 —1708),ein Neffe von James Gregory als Sohn dessen ältesten Bruders, warProfessor an der Universität in Edinburg gewesen und hatte dort dieersten astronomischen Vorlesungen über den Inhalt von Newton’sPrincipien gehalten. Dass Newton ihm dafür sein Wohlwollen zu-wandte, ist begreiflich, und auf dessen Vermittelung, verbunden mitder nicht minder warmen Fürsprache des Greenwicher AstronomenJohn Flamsteed , wurde Gregory 1G91 zu der Savile’schen Professurder Astronomie nach Oxford berufen. Hier war er also Bernard’sunmittelbarer Amtsbruder und wurde der Vertraute seiner Absichten.
David Gregory trat nach Bernard’s Ableben in dessen Fuss-stapfen und die grosse Euklidausgabe (Oxford 1703) kam zu Stande.Eine Vorrede von wissenschaftlichem Werthe eröffuete sie, und nachdieser waren zum ersten Male nicht bloss die Elemente, sondernsämmtliche Euklidische Schriften, so weit sie damals bekannt warenund für echt galten, in griechischem Text und lateinischer Ueber-setzung vereinigt.
Ein anderer Nachfolger Bernard’s war Edmund Ilalley. Dasnächste Anrecht nach Euklid — so äussert sich Halley in der Vor-rede zu einem sogleich zu nennenden AVerke — auf eine neue schöneAusgabe hätte eigentlich Archimed besessen; aber schliesslich gebe esdoch schon ganz gute Archimedausgaben, während Apollonius , derA r erfasser der Kegelschnitte, nur sehr ungenügende AVrbreitung durchden Druck erlangt habe. Das hing freilich mit der Schwierigkeit derAufgabe zusammen, aber was jeden Anderen abgeschreckt hätte, bil-
') Smith, Vita Bernardi und als Anhang dazu: Veterum MathematicorumGraecorum, Latinorum et Arabum Synojisin. 9 ) National Biography XXIII, 93—94 (London 1890, edited by Lcslie Stephen and Sidney Lee).