9G. Kapitel.
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der Wnhrheit ahweichen würde, der versuchen wollte, aus heutigenLondoner und Pariser Beobachtungen Schlüsse auf die Lebensdauerder Patriarchen vor der Sintfluth zu ziehen. Ara 2. August fügte erhinzu 1 ), wenn die Erfahrung auch nur näherungsweise Sterblichkeits-zahlen liefere, so sei das selbst in der Geometrie nicht unerhört. DasVerhältnis« des Kreisdurchmessers zur Peripherie könne genau nurdurch unendlich viele Decimalstellen der Ludolphischen Zahl angegebenwerden, und doch habe Archimed es genügend erklärt, indem er eszwischen die Grenzen 7 : 22 und 71 : 223 einschloss. Leibniz 2 ) liessam 28. November das Beispiel mit der Ludolphischen Zahl nichtgelten. Bei dieser bringe jede neue Decimalstelle eine vermehrte An-näherung. Ob aber jede neue Erfahrung die bisherigen Annahmenstets verstärke, wisse man nicht. Jakob Bernoulli antwortete nichtmehr. Am 28. Februar 1705 fragte er zwar wiederholt 3 ), ob Leibniz ihm nicht die Schrift De Witt’s über Sterblichkeit, welche schon vor-her in dem Briefwechsel mehrfach erwähnt wurde, leihweise zuschickenwollte, aber auf eine weitere Vertheidigung seiner Erfahrungswahrscheinlichkeit liess er sich nicht ein. Im April etwa erwiderteLeibniz 1 ), er könne De IVitt’s Schrift zunächst nicht auffinden, Ber-noulli würde aber in ihr kaum Neues entdecken. Sie beruhe aufdenselben Grundlagen des zwischen gleich Ungewissem zu nehmendenarithmetischen Mittels wie Pascal’s Triangle arithmetique und Huygens ’M ürielabhandlung. Man wird in dieser Hinweisung Leibnizens keinen1\ iderspruch gegen unsere Bemerkung (S. 329), Jakob Bernoulli habePascal’s Triangle arithmetique nicht gekannt, finden wollen. JakobBernoulli starb im August 1705. In den vier Monaten, welchehöchstens zwischen seinem Tode und dem Empfang des LeibnizischenBriefes lagen, war er meistens krank. Er hat deshalb wahrscheinlichvon jenem Hinweis keinen Gebrauch mehr machen können.
Im December 1705 äusserte sich Leibnizgegen den schottischenEdelmann Thomas Burnett de Kemney, er billige es sehr, wennman über Verstandesspiele schreibe, nicht grade um ihrer selbstwillen, aber weil derartige Untersuchungen in der Kunst des Denkensweiterbringen.
Der erste Band der Veröffentlichungen der Berliner Akademie,der 1710 unter dem Titel der Miscdlanca Beralinensia im Druckeerschien, enthielt einen kurzen Aufsatz von Leibniz über einige Spiele.Das war derjenige Aufsatz, von welchem De Montmort in der zweitenAusgabe seines Essay d’Analyse des jeux de Hazard sprach (S. 336).
*) Leibniz III , 91. s ) Ebenda III, 94. s ) Ebenda III, 95. ') Ebenda
III, 99. 5 ) Leibniz , Philosophische Schriften (herausgegeben von C. J. Ger-
hardt) III, 304.