Band 
Dritter Band. Von 1668-1758. Erster Teilband. Von 1668-1726.
Entstehung
Seite
341
JPEG-Download
 

Combinatorisehe Analysis. Wahrscheinlichkeitsrechnung.

341

Leibniz erzählt darin, dass De Mere seiner Zeit durch SpielaufgabenPascal die erste Anregung zur Wahrscheinlichkeitsrechnung gegebenhabe (Bd. II, S. 688), dass dann Fermat , nach diesem Huygens tiefereingedrungen seien. Er erwähnt, er selbst habe wiederholt zu Unter-suchungen über Spiele aufgefordert, nicht der Spiele halber, sondernwegen der bei der Untersuchung anzuwendenden Kunst der Erfindung.Unter den Spielen, die er als Beispiel nennt, ist das Solitärspiel,und Leibniz meint, aus demselben lasse sich durch Umkehrung einnoch eleganteres Spiel bilden, wenn man, anstatt die Steine allmäligvom Solitärbrett zu entfernen, solche vielmehr allmälig, unter Um-kehrung der für ihre Entfernung gütigen Regeln, auf das Brett zubringen und dadurch eine vorgeschriebene Figur zu erzeugen sichbestrebe. Auch von einem chinesischen, von einem altrömischen Ver-standesspiele ist gelegentlich die Rede, aber nirgend geht Leibniz über allgemeine Redensarten hinaus. Wie er insbesondere die Behandlung des Solitärspiels und dessen Umkehrung aufgefasst wissenwill, sagt er nirgend.

An den geistreichen und gelehrten Louis Bourguet aus Neuf-chatel, der sich damals in Venedig aufhielt, schrieb Leibniz im März1714 zur Empfehlung von Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen. Er nanntehier neben De Mere und Pascal, neben Fermat und Huvgens nochDe Witt und Hudde und endlich Jakob Bernoulli , den er auf jenesGebiet hingewiesen habe 1 ), was allerdings, wie wir wissen, nicht zu-trifft. Leibniz war mit seinen Hinweisungen erst gekommen, als dieArs Cogitandi längst in Arbeit war. In dem Briefe an Bourguet istauch der Unterschied zwischen Wahrscheinlichkeit a priori und a po-steriori erwähnt.

Ein weiterer Correspondent Leibnizens war Nicolas Remondin Paris , der Binder von Pierre Remond De Montmort. Auch ihmgegenüber rühmte Leibniz im Februar 1715 die mathematische Be-schäftigung mit Spielen und erkundigte sich, ob der Bruder nachseinem Wunsche fortfahre Solches zu üben 2 ).

Remond De Montmort war gleichfalls einmal in brieflichemVerkehre mit Leibniz . Er hatte ihm seinen Essay d’Analyse des jeuxde Hazard in erster wie in zweiter Auflage zugeschickt, aber beideSendungen gingen verloren, wie wir einem Briefe De Montmort’s vomFebruar 1714 entnehmen 8 ). Erst zwei Jahre später, im Januar 1716,antwortete Leibniz 4 ), und hier finden sich immer wieder die gleichenAnpreisungen einer mathematischen, die Erfindungsgabe schärfenden

') Leibniz , Philosophische Schriften (herausgegeben von C. .T. Gerhardt)III, 570: Feu Monsieur Bernoulli a cultive cette matiere nur nies exhortatinns.

2 Ebenda III, 638—630. *) Ebenda III, 666. 4 ) Ebenda III, 067- 660.