Geschichte d. Mathematik in selbst. Werken, monograph. Arbeiten usw. 21
die mathematischen Disziplinen in den Ländern der tschechischen Sprach-gemeinschaft erfahren haben 1 ). Von M. Barbieri wurde eine analogeSchrift über das Königreich Neapel verfaßt 2 ), und mit dieser könnenwir sachlich zusammennehmen die vorzügliche Behandlung, welche(f. Piazzi der sizilianischen Astronomie zuteil werden ließ 3 ). Wennauch nicht in erster Reihe, so ist doch auch hier wohl am bestenunterzubringen ein Aufsatz von Johann Bernoulli 1 ), der schondurch seinen Titel 6 ) verrät, daß die Zusammenstellung interessanterzeitgeschichtlicher Notizen hauptsächlich beabsichtigt war; in größeremStile enthält solche das astronomische Handbuch 6 ) ebendesselbenGelehrten.
Dieser Zeitraum ist auch aus dem Grunde bemerkenswert, weilin ihn der erste Versuch fällt, sich über das Wesen der nach undnach durch Forschungsreisende und Missionare bekannter gewordenenindischen Mathematik zu orientieren. Der Schotte Playfair (s. S. 19)hat sich der schwierigen Aufgabe mit Glück unterzogen 7 ); für denAnfang konnte sein redliches Bestreben als ein sehr erfolgreichesgelten. Der anerkanntermaßen wertvollste Bestandteil des Geschichts-werkes von A. Arneth 8 ) geht der Anregung nach auf PlayfairsVorarbeit 9 ) zurück.
M Wydra, Historia matheseos in Bohemia et Moravia cultae, Prag 1778;eine Art Anhang dazu ist: Vita Josephi Stepling, ebenda 1779. *) Barbieri,
Notizie istoriche dei matematici e filosofi del regno di Napoli, Neapel 1778.*) Piazzi, Deila specola astronomica de’ regj studj di Palermo, Palermo 1792bis 1794, II, Einleitung. Eine sehr ins einzelne gehende Analyse des die Ent-wicklungsgeschichte der Wissenschaft auf der Insel darstellenden Abschnitteshat v. Zach gegeben i'Hindenburgs Archiv der reinen und angew. Mathe-matik II, S. 357ff.). 4 ; Dieser Enkel des großen Johann Bernoulli (diese
Vorlesungen IIP, S. 3251 (1744—1807, hatte sich wesentlich der Astronomie zu-gewendet, wenngleich er auch mathematische Fragen ohne Rücksicht auf An-wendung gerne in den Kreis seiner Beschäftigung zog. 5 ) Bernoulli, Anec-dotes pour servil- ä l'histoire des mathematiques, Nouveaux Memoires de l’Acad.de Berlin , 1799—1800 (erschienen 1803), S. 32tf. 6 ) Im ganzen können vierSchriften Ilernoullis als für die Geschichte der Astronomie in der zweitenHälfte des XVIII. Jahrhunderts bemerkenswert bezeichnet werden, nämlich diefolgenden: Recueil pour les Astronomes, Berlin 1772—1770; Liste des Astro-nomes connus actuellement, ebenda 1770; Nouvelles literaires de divers pays, avecdes supplemens pour la liste et le necrologe des Astronomes, ebenda 1770—1777;Lettres ecrites pendant le cours d'un voyage par l’Allemagne etc., ebenda 1777bis 1779. ’) Playfair, Remarks on the Astronomy of the Brahmins, Transact.
of the Royal Society of Edinburgh, II, Abteil. 2; Observations on the Trigono-metrical Tables of the Brahmins, ebenda. II, Abteil. 4. ®) Arneth, Geschichte
der reinen Mathematik in ihrer Beziehung zur Entwicklung des menschlichenGeistes, Stuttgart 1852, S. 140ff. ®) Die Veröffentlichungen H. Th. Colebrookes
(1705 1837) über altindische Mathematik und Astronomie, die weit über Play-
fair hinausgehen, gehören bereits dem XIX. Jahrhundert an.