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Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
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Abschnitt XIX.

Jene von früher her erinnerlichen, etwas sonderbaren Geistes-produkte, welche sich mit einer schwer definierbaren biblischenMathematik zu schaffen machen, fehlen auch dem Intervalle 1760 bis1800 nicht gänzlich. Ein Däne A. N. Aasheim (17491800) hatdie Nutzbarkeit der Größenlehre für die Exegese der Heiligen Schriftdarzutun versucht 1 ). Vor allem aber war J. E. B. Wiedeburg (1733bis 1789) ein eifriger Bearbeiter dieses Grenzgebietes zwischen Theologieund Mathematik, auf dem er sich übrigens ganz und gar im Geistedes herrschend gewordenen Rationalismus bewegte. Sein Buch 2 ),welches unvollendet blieb, gibt eine achtungswerte Probe von derGelehrsamkeit des Verfassers, dessen Vater schon für dieseMathe-matica sacra Neigung an den Tag gelegt hatte 3 ). Auch kleinereArbeiten dieses Charakters würden sich bei fleißigem Suchen vielleichtnoch zahlreicher auffinden lassen, als dies in unserer Note 4 ) zum Aus-drucke kommt.

Die elementare Arithmetik, Algebra und Zahlenlehre der Ver-gangenheit fangen in diesen Jahren, da doch auch die philologisch-antiquarische Forschung sich immer kräftiger zu rühren und vervoll-kommnte Hilfsmittel der Untersuchung zur Verfügung zu stellenbeginnt, mehr und mehr die Gelehrten zu beschäftigen an. DenLehrbüchern werden, wie dies vor allem A. G. Kaestners (s. S. 8)mit Recht viel gebrauchtes, mehrbändiges Kompendium 5 ) in zahllosen

') Aasheim, De usu matheseos in explicandis phaenomenis in codice sacro,Kopenhagen 1767. *) Wiedeburg, Natur- und Größenlehre in ihrer Anwendung

zur Rechtfertigung der heiligen Schrift, I, Nürnberg 1782. *) Diese Vorlesungen

III ! , S. 523524. 4 ) Vielleicht ist es gestattet, der einschlägigen kurzen Darlegung

am vorerwähnten Urte einige Ergänzungen nachfolgen zn lassen. BesondererBeachtung hatte sich die Gestalt desehernen Meeres zu erfreuen (I. Buch derKönige, VII, 23). Schon im XVII. Jahrhundert bildete dieses Sakralaltertum denGegenstand gelehrter Streitigkeiten, au denen sich sogar der geniale PhilosophB. Spinoza beteiligte (Tractatus theologico-politicus , Hamburg 1670, S. 22). Ausdem laufenden Jahrhundert sind drei hierauf bezügliche Abhandlungen namhaftzu machen: Nicolai Clausing, De symmetria maris aenei, Wittenberg 1717;L. C. Sturm, Mare aeneum, Nürnberg 1710; Scheibel, Von der Gestalt desehernen Meeres, Leipziger Magaz. f. Math, etc., 1787, S. 477 tf. Die Frage, ob diealten orientalischen Völker sich mit der rohen Annäherung it = 3 idiese Vor-lesungen P, S. 100 tf.) beholfen hätten, stand in diesem Falle im Vordergründe.6 i Angesichts der wirklich hohen Bedeutung dieser Reihe stufenweise aufsteigen-der Lehrbücher, welche den Studierenden von den allerersten Anfängen bishinauf zu den höchsten Problemen zu führen bestimmt waren und welche inder Didaktik des XVIII. Jahrhunderts die bis dahin fast des Monopoles derAlleinherrschaft sich erfreuenden Werke C. v. Wolfs ablösten, gehört hierherein kurzer bibliographischer Exkurs auf Kaestners Unternehmen. Es sind zu-sammen zehn Oktavbändchen: Anfangsgründe der Arithmetik, Geometrie, ebenenund sphärischen Trigonometrie und Perspektive, Göttingen 1758, 5. Aufl. ebenda