Band 
Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
Entstehung
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Abschnitt XXI.

Anschauungen; acht Jahre hindurch trug er zu Ehren der JungfrauMaria Mädchenkleider; sein Erzieher war ein Jesuit. Im College vonNavarra widmete er sich mathematischen Studien und erhielt, sech-zehnjährig, in Paris seinen akademischen Grad. Durch seinen „Essaisur le calcul integral“ (1 7<>5) und sein „Memoire sur le probleme destrois corps“ HTtiX) gelangte er zu hohem Ansehen. 17Ö9 wurde erzum Mitglied der Academie des Sciences gewählt, Turgot und Vol-taire waren ihm eng befreundet; mit dem ersten betrieb er national-ökonomische Untersuchungen; mit dem zweiten behandelte er litera-rische Fragen. 1782 wurde er Mitglied der Academie francaise. Esbeseelte ihn eine durchaus liberale, für die Fortschritte der Mensch-heit begeisterte, für die Verbesserung ihrer Lage eintretende Ge-sinnung. Unter und mit Turgot hatte er für Reformideen gekämpft, hattegegen die Sklaverei der Neger, gegen die Zurücksetzung der Calvi -nisten geschrieben; er hatte öffentlich gegen ungerechte Entschei-dungen des Parlaments, gegen ungerechte Verurteilungen der Gerichteprotestiert. 1789 schloß er sich der Revolutionspartei an. Er wurde 1791zum Kommissar der Schatzkammer ernannt, dann in die gesetz-gebende Versammlung gewählt und 1792 sogar Präsident derselben.Im Prozeß gegen den König stimmte Condorcet für die härtesteStrafe nach der Todesstrafe. Er stand auf der Seite der Girondistenund flüchtete, um der Verhaftung zu entgehen, 1793 nach ihrem Sturze.Acht Monate hindurch lebte er in einem Verstecke in Paris und ver-faßte dort mehrere sozial-wissenschaftliche Schriften. Durch einenanonymen Brief gewarnt, verließ er seiD Asyl im April 1794, fandden Schutz, den er erhofft hatte, nicht, irrte zwei Tage lang umherund wurde als verdächtig in Clamart angehalten. Im Verhör legteer sich einen falschen Namen bei. Unerkannt wurde er nach Bourgla Reine transportiert und dort im Gefängnisse am nächsten Tagetot aufgefunden; wahrscheinlich hatte er Gift genommen. MehrereMonate hindurch blieb infolge des falschen Namens seiner Familiesein Geschick unbekannt; nur dank einer, beim Gestorbenen aufgefun-denen Uhr konnte seine Person festgestellt werden.

Charakteristisch für ihn ist das Wort d’Alemberts, das ihnals „un volcan couvert de neige“ bezeichnet«. Auch für seine wissen-schaftlichen Bestrebungen gilt d’Alemberts Ausspruch. Condorcet war von heiligem Eifer für das Wohl der gesamten Menschheitdurchglüht und von ihrer unbeschränkten Vervollkommnungsfäkigkeitüberzeugt, auf ethischem wie auf wissenschaftlichem Gebiete. Vondiesen Gesichtspunkten aus ist sein Hauptwerk zu betrachten und zubeurteilen; ihm dient die Mathematik darin als Mittel, die W'ohlfahrtund die Wahrheit zu fördern. Es trägt den Titel: „Essai sur l’appli-