380
Abschnitt XXII.
einige Änderungen in die Lösungen der italienischen Geometer hinein-brachte.
Ebenso als Beendigung der Arbeiten, die schon früher ange-fangen waren, nämlich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts 1 ),erschien das Werk von Mascheroni La Geometria del compasso 2 ),das im Jahre 1797 erschien. Sein Gegenstand, wie schon aus demTitel ersichtlich, besteht aus der Lösung ausschließlich nur mit Hilfedes Zirkels aller Aufgaben, die gewöhnlich mit dem Zirkel und Linealgelöst werden. Sich mit den Aufgaben der Elementargeometrie nichtbegnügend, zeigt Mascheroni in seinem Werke, daß die Geometriedes Zirkels leicht zur angenäherten Lösung der Aufgaben von denKegelschnitten und sogar von noch höheren Teilen der Geometrie an-gewandt werden kann. Lorenzo Mascheroni 3 ) (1750—1800), einAbbe, beschäftigte sich am Anfang seiner wissenscliaftlich-lehrendenTätigkeit mit Poesie und Belletristik. Aber nach einigen Jahren desVortrages der humanistischen Wissenschaften und der griechischenSprache in Bergamo und Pavia fühlte er sich zur Mathematik hin-gezogen. Nachdem er sich ihrem Studium vollständig gewidmet hatte,wurde er so bald ihrer Herr, daß er schon nach einem kurzen Zeit-raum imstande war den Vortrag der Geometrie auf sich zu nehmen,anfangs im Marienkollegium in Bergamo und danach im Archigym-nasium in Ticino . Späterhin wurde er Professor der Elementarmathe-matik an der Universität in Pavia , Korrespondent der Akademie vonPadua und Mitglied der italienischen Gesellschaft der Wissenschaften.Als überzeugter und heißer Anhänger der Revolution kam er mitEnthusiasmus den Veränderungen in Italien entgegen, die die Armeender ersten französischen Republik in ihr politisches Leben hinein-brachten. Nach Gründung der zisalpinisclien Republik wurde er zumMitglied des gesetzgebenden Körpers erwählt und begab sich balddarauf nach Paris , um an der internationalen Kommission teilzunehmen,die zur Ordnung des metrischen Svstems der Maße und Gewichte zu-sammengerufen war. Während seines Aufenthaltes in Paris und kurzvor seinem Tode wurde er zum Mitglied des Stadtrats in Mailand er-nannt.
*) Die ersten Arbeiten dieser Art waren Cardanos und TartagliasLösungen einiger Aufgaben der Geometrie von Euklid mit Hilfe eines Linealsallein oder eines Lineals und Zirkels, der jedoch immer unveränderte Öffnunghat. Cantor, Vorlesungen über Geschichte der Mathematik, II®, S. 526 — 520und häufiger. s ) Pavia , 8°, VIII -f- 264 pp., 14 tavole. In das Französische vonCarette (Paris 1798t übersetzt und später von Grason (Berlin 1825) insDeutsche. *) Poggendorff, II, S. 71—72. Biografia di Lorenzo Mascheronidi Camillo Ugoni, Bergamo 1873. Bibliografia mascheroniana per GiuseppeRavelli, Bergamo 1881.