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Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
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Abschnitt XX11I.

Fehlerrechnung, bei welcher es sich um die Bestimmung der Ver-änderungen handelt, welche die Stücke eines Dreiecks erleiden, wenngewisse derselben um sehr kleine Größen zu- oder abnehmen. Nach-dem Cotes in seiner Aestimatio errorum 1722 dieselbe eingeführt(IIP, S. 360 und 412—414) und die wichtigsten Sätze geometrisch ent-wickelt hatte, publizierte De la Caille 1741 einen „C'alcul des diffe-rences dans la trigonometrie spherique“ 1 ), in welchem er Cotes’18 Theoreme in 24 Formeln vereinigte, die er auf astronomischeAufgaben anwandte. Später haben sich namentlich Klügel, Kästner,Boscovich und Cagnoli mit Ausbildung dieses Wissenszweiges be-schäftigt. Ersterer widmete ihm das 8. Kapitel seiner analytischenTrigonometrie und einen Aufsatz mit dem Titel „TrigonometrischeVariationsrechnung zum Gebrauche bei Berechnung der Sonnen- undMondfinsternisse“ 2 ) und behandelte die vier wichtigsten Fälle, indemer ein Dreiecksstück konstant ließ und die endlichen Variationen deranderen untersuchte. Die beiden Hauptformeln, welche er erhielt,sind: Art = cos CAb + cosJtAc und

AB \ A C = (sineAb — cos « sin bAc) : (sin b Ac — cos a sin cAb),

die sich aus dem Kosinussatze und aus der Kotangentenformel er-geben. Kästner gab im ersten Bande seiner „Astronomischen Ab-handlungen“ 3 ) ebenfalls eine analytische Ableitung der CotesschenTheoreme und teilte auch Differentialformeln für ebene Dreiecke mit,aber das Verdienst, aus den vielen in der sphärischen Trigonometriemöglichen Relationen die vier Hauptgleichungeu

da = cos Cdb + cos 11 de + sin 11 sine dA,sin Bda — cos csin Adb — sin c dA + sin a cos BdC,ctgrtrfrt — ctg bdb = ctg A dA — ctg B dB,dA = sin b sin Cda — cos cdB — cos bdC,

die man heute als Fehlergleichungen bezeichnet, ausgewählt undin dieser Form geschrieben zu haben 4 ), gebührt dem auch sonst ver-dienten Jesuiten Roger Boscovich (1711—1787). Dieser war inRainrsa geboren, wurde 1740 Professor der Mathematik und Philo-Sophie am Collegium Romanum , dann Professor in I’avia, dann Direc-teur de l’optique de la marine in Paris, kehrte aber 1783 nach Italien zurück, wo er in Mailand starb. Aus Boscovichs Formeln folgen

') Memoires de l’Aeademie de Paris 1741, p. 238tf. *) Bode, Astro-nomisches Jahrbuch für 1793, Berlin 1790, p. 178—182. *) A. a. 0., p. 95

bis 107. 4 ) Opera IV, 1785, 4°, p. 316—394, wo er auch die entsprechenden

Formeln für ebene Dreiecke angibt (p. 322).