Die Perspektive vom Mittelalter bis zu Ende des 17. Jahrhunderts. 587
wie man das Gesagte auf die Zeichnung der Schatten anwendenkann (die Lichtquelle im Endlichen vorausgesetzte. — Das letzte Buchbehandelt ein Gebiet, welches ein großes praktisches Interesse besitztund daher die Aufmerksamkeit der Gelehrten von den Griechen bisDaniele Barbaro auf sich gezogen hatte: wir meinen die Zeichnungder Theaterbühnen. Auch für die zu diesem Zweck geeigneten Ver-fahren gelingt es del Monte, eine wissenschaftliche Grundlage zugeben. Daher behält seine Perspective“ bis zum Ende den Wert,welchen sie bereits auf den ersten Seiten hatte, und welcher ihnwürdig machen würde, unter den Klassikern der exakten Wissen-schaften zu erscheinen.
Wir müßten jetzt über das Werk „Opticorum Libri VI“ berichten,das von Fr. d’Aiguillon in Antwerpen im Jahre 1613 veröffent-licht wurde; aber was über dieses vorzügliche Werk bereits gesagtwurde (II 2 , S. 695), ist wohl hinreichend, um sich eine klare Vor-stellung von seinem Inhalt und Zweck bilden zu können.
Ungefähr um dieselbe Zeit beschäftigte sich mit der Perspektiveein anderer und zwar sehr berühmter belgischer Geometer, SimonStevin (II 2 , S. 572). Sein „Traite d’optique“ enthält seine diesbe-züglichen Entdeckungen, über welche Cliasles urteilt 1 ): „ . . . maisnous nous etonnons que l’on passe sous silence Stevin qui . . . avaitaussi innove dans cette matiere, qu’il avait traite en geometre pro-fond, et peut-etre plus completement qu’aucun autre, sous le rapporttheorique. Ainsi nous ne trouvons que dans cet auteur la solutiongeometrique de cette question, qui est l’inverse de la perspective:etant donnees, dans un plan et dans une position quelconque Tunepar rapport ä l’autre, deux figures qui sont la perspective l’une del’autre, on demande de les placer dans l’espace de maniere que laperspective ait lieu, et determiner la position de 1’a‘uil. Stevin, ilest vrai, ne resout que quelques cas particuliers de cette question,dont le plus difficile est celui oü l’une des figures est un quadrilatereet la seconde un parallelogramme . . .“ Cliasles hätte auch hinzufügenkönnen, daß Stevin den folgenden Fundamentalsatz der Methode derZentralprojektion entdeckt und bewiesen hat: „Wenn sich die Bildtafelum ihre Schnittlinie mit der Horizontallinie dreht, und wenn sich zu-gleich der Beobachter um seine Füße dreht, und zwar so, daß erbeständig parallel zur Tafel bleibt, so wird die Perspektive zwischenHorizontal- und Bildebene nicht gestört; sie bleibt auch dieselbe,wenn die genannten Ebenen zusammenfallen“ 2 ). Durch einige ge-
‘) „Apercu historique“, p. 347. *) „Oeuvres de Stevin“; ed. Girard, p. 533.
Vgl. G. Loria, „Vorlesungen über darstellende Geometrie“, I. Bd„ Leipzig 1907,S. 131.