Die Perspektive vom Mittelalter bis zu Ende des 17. Jahrhunderts. 593
von unbekannter Hand stammende Bearbeitung des „Thaumaturgusopticus seu admiranda“, ein Werk, dessen Druck am 2. August 164(ivollendet wurde; sie ist denjenigen zu empfehlen, die sich für dievon der Zentralprojektion verursachten Verzerrungen interessieren.Die verzerrende Gewalt jener Operation scheint von AndreasTacquet (1612—16601 wahrgenommen und überschätzt worden zusein, da man auf dem Titelblatt der 2. Auflage (1707) des präch-tigen Bandes seiner „Opera matheinatica“ einen durch die Sonne er-leuchteten rechtwinkligen Rahmen sieht, welcher als Schatteneinen Kreis wirft, und diese sonderbare Figur „mutat quadratarotundi“ als Motto trägt. Die Figur selbst dient als symbolischerHinweis auf das II. Buch („Syllabus propositionum opticae“) der„Opera“, wo die Grundbegriffe der Perspektive bewiesen werden, umsie dann auf die Astronomie anzuwenden.
Zum Schluß dieser flüchtigen Musterung der Beiträge, welchedas 17. Jahrhundert zur Perspektive gegeben hat, mag zweierlei be-merkt werden:
Erstens daß das großartige Werk von G u a r i n i (vgl.York, IIP, S. 14) *) nicht nur in seinem XXXII. Abschnitt einKapitel unserer heutigen darstellenden Geometrie enthält, welches,wie Chasles 2 ) hervorhob, „traite de la projection sur desplans des lignes qui provieunent de l’intersection de la sphere, du ebneet du cylindre entre eux et du developpement, sur un plan, de ces courbesä double courbure“, sondern daß auch sein XVI. Abschnitt zu derselbenLehre gehört. Dieser Abschnitt behandelt nämlich unter dem TitelDe projecturis die früheren Arbeiten von Vitruv und Aiguillon,die Orthogonalprojektion auf eine Ebene und die stereographischeProjektion einer beliebigen Figur. Der Vollständigkeit wegen sollauch gesagt werden, daß das in Rede stehende Werk kein Kommentarzu den Elementen Euklids ist, da es nicht nur von den klassischenTheorien der Geometrie, welche man bei Euklid , Archimed undPappus findet, handelt, sondern auch die modernen, auf den Ge-brauch der Trigonometrie und der Logarithmen gegründeten arithme-tischen Methoden, um die geometrischen Probleme aufzulösen, um-
') Sein vollständiger Titel ist der folgende: „Euclides adauctus et metho-. dicus mathematicaque universalis Car. Em. II dicata, quae ne dum propositionumdependentiam, sed et rerum ordinem observat. Et complectitur ea omnia, quaede quantitatae tum discreta, tum continua abstracta speculari queunt. Resectissuperfluis demonstrationibus, et requisitis Omnibus profuse coadunatis. Singulisquoque Tractatus novis propositionibus adaucti sunt, et aliqui etiam ex integroadornati. Omnesque tum figuris, tum verbis clare, dilucideque propositi.“Augustae Taurinorum, MDCLXXI. *1 „Aperyu hist.“, Note XVII.