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Abschnitt XXV.
didaktischer Natur wäre; aber der folgende Auszug wird zeigen, daßihr Zweck ein ganz anderer war, denn, um der Schlußkette Lambertsfolgen zu können, ist es unbedingt notwendig, schon die Prinzipiender Perspektive zu kennen. Er bemerkt zunächst, daß die Maler dieKegeln der Perspektive nicht befolgen; daher schlägt er eine Unter-scheidung zwischen „Landschaft“ und „Prospekt“ vor, indem er denletzteren Namen den Landschaften vorbehält, bei denen jene Prinzipienstreng befolgt werden. Indem er sodann einen (aus einem Turmund einem Haus bestehenden) Prospekt als gegeben voraussetzt, be-stimmt er mit Hilfe desselben und durch ein sehr geistreiches Ver-fahren den „Horizont“ und den „Augenpunkt“; dieses Verfahrenhängt seiner Xatur und seinem Zweck nach mit dem letzten Ab-schnitt der „Freyen Perspective“ eng zusammen. Lambert schließtdie Darlegung derselben durch die folgende Bemerkung: „Das bloßeAugenmaß ist bei Zeichnungen von Aussichten etwas sehr Mißliches,und so sehr man auch den Malern die Übung desselben einschärftund den Gebrauch des Zirkels untersagt, so sehr könnten die Käuferund Liebhaber sich ausbitten, daß wenigstens bei Zeichnungen vonLandschaften und Aussichten der Gebrauch des Lineals und Zirkelsnicht nur gestattet, sondern als etwas schlechthin Unentbehrlichesgefordert werde.“ Wurden diese vernünftigen Ratschläge von denKünstlern und ihren Mäcenaten befolgt? Wir haben Gründe genug,um daran zu zweifeln!
Fünfzehn Jahre nach der Veröffentlichung der „Freyen Perspec-tive“ machte sich das Bedürfnis nach einer Neuauflage fühlbar.Lambert beschränkte sich dabei auf einige kleinere Verbesserungendes Textes. 1 ! Jedoch fügte er zu dem alten Bande einen neuen hinzu,welcher wichtige „Anmerkungen und Zusätze“ enthält. In dem erstendieser Zusätze gibt Lambert, mit freier Benutzung der Geschichts-werke des Montucla und Saverien, eine flüchtige Übersicht Uberdie wichtigsten Arbeiten über Perspektive. In einem anderen gibter kleine Zusätze zu der behandelten Lehre, welche sehr wohl auchim Text selbst hätten Platz finden können. Bei zwei längeren Zu-sätzen müssen wir einen Augenblick verweilen, ln dem einen Zusatz(zu § 12 1 setzt Lambert die zahlreichen Verfahren zum Entwerfenvon Perspektiven auseinander, welche vor ihm bereits durch Dürer,Danti usw. empfohlen worden waren; andere werden von ihm selbsthinzugefügt. Der zweite wichtige Zusatz reiht Lambert zu denBegründern der „Geometrie des Lineals“. 2 ! Da wir keinen Kaum
*) Die Vermehrung der Paragraphen von 310 auf 315 ist nur scheinbar unddie Folge eines Versehens, da dem § 310 der § 315 folgt. ’) Chasles, „Apercuhistorique“, p. 186; Cremona , „Geometria projettiva“, Torino 1873, p. 123.