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Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
Entstehung
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618
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Abschnitt XXV.

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Die Vorläufer Monges.

Die „perspektivische“ Literatur des 18. Jahrhunderts, welcheunter so guten Auspizien mit s’Gravesande begann, erreichte ihrenhöchsten Glanzpunkt mit Taylor und Lambert, fand in Zanottiund Karsten würdige Fortsetzer, offenbart aber dann in Torelliunzweideutige Zeichen eines Verfalles 1 ). Wenn auch noch einige derspäteren Werke sich bedeutend über das Niveau der Arbeit Torelliserhoben haben, so kann man doch sagen, daß die Ara der Perspek-tive mit dem eben besprochenen Jahrhundert ihr Ende erreicht hat.Das hat seinen Grund darin, daß gerade an der Wende des 18. Jahr-hunderts ein neuer Zweig der Mathematik eine bis dahin ungeahnteBlüte und einen gewaltigen Ertrag hervorbrachte, welcher den bishervon der Perspektive eingenommenen Platz eines „Verbindungsstriches“zwischen der Mathematik und den Zeichenkünsten einnehmen sollte.Um aber die Quelle dieses neuen mächtigen Gedankenflusses aufzu-decken, müssen wir um einige Jahrhunderte zurückkehren. Und,während wir in der Malerei die Ursprünge der modernen Perspektivegefunden haben, müssen wir uns nun zur Architektur wenden, umdie Genealogie der neuen Lehre zu bestimmen und ihre Geburts-urkunde zu erlangen.

Zu diesem Zweck möge zunächst bemerkt werden, daß Vitruvius ,der berühmte Baumeister der Epoche des Julius Cäsar und Augustus,im I. Buch seiner „Architectura “, von der „iehonographia“ und „ortho-graphia“, d. h. dem „Grundriß“ und „Aufriß “ eines Gebäudes, alsHilfsverfahren zur Darstellung desselben, spricht; er hat dieseMethoden wahrscheinlich von den Griechen entlehnt, hat aber dasVerdienst, sie allgemein verbreitet zu haben, so daß seine Nachfolgersie ohne Ausnahme anwandten. Aber diese Urform einer sehr be-kannten Methode der darstellenden Geometrie gibt zwar eine leichteund bequeme Art an, um die dreidimensionalen Figuren darzustellen,zeigt aber den Weg nicht, um auf dieselben die gewöhnlichen Operationender Geometrie anzuwenden. Und zwar lehrt sie es deshalb nicht, weil derreine Architekt dessen nicht bedarf. Aber der praktische Archi-tekt muß auch die Handwerker bei der Bearbeitung des Materials,beim Holz- und Steinschnitt anleiten; daraus erwuchs die Notwendig-

') Ein im 18. Jahrhundert erhaltenes Resultat rein theoretischer Natur ver-dient hier noch angeführt zu werden; wir meinen den Satz, daß die Ordnungeiner Kurve durch Projektion nicht erhöht werden kann: vgl. Waring, „Pro-prietates curvarum algebraiearum“ (Cantabridgae 1772), Prop. 24—26. Vgl.S. 522.