Band 
Dritter Band. D bis E.
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Delille

Städte HindostanS. Sie gehört jetzt zu den unmittelbaren britisch-ostindischen Be-sitzungen und liegt in der Präsidentschaft Caleutta, am westl. Ufer des FlussesDschumnah (Iumna), wo sie sich auf 8 engl. Meilen in der Länge und an einigenOrten auf 4 Meil. in der Breite ausdehnt. Das kaiserl. Residenzschloß (noch jetztder Wohnsitz des entthronten Großmoguls Akbar l l. und s. aus mehren tausendKöpfen bestehenden Familie), mehre prachtvoll gebaute kaiserl. Grabmäler, zahl-reiche glänzende Moscheen und eine Menge gut gebauter Privathäuser und reicherKaufläden sind eine Zierde der auch in ihrem Verfalle noch großen Stadt, die jetzt200,000 Einw., viele Fabriken und eine Sternwarte hak. Die Ruinen bedecken 1IHM. Was glaubhafte Reisende von der ehemaligen Pracht derselben und von denReichthümern erzählen, welche die mongolischen Kaiser daselbst aufgehäuft hatten,grenzt an das Fabelhafte. So war der sogen. Pfauenkhron von massivem Golde,und man hatte an dessen Rücklehne, die einen Pfauenschwanz bildete, durch zahlloseEdelsteine aller Art das natürliche Farbenspiel nachgeahmt. Er ward auf75 Will.Thaler geschätzt; Nadir Schah führte ihn als Beute hinweg. Was dieser Erobereran baarem Gelde, Kleinodien, kostbaren Gefäßen und Waffen aller Art allein ausden kaiserl. Schaß-und Rüstkammern, ingleichen an Elefanten, Pferden undKa-meelen aus den kaiserl. Stallen raubte, schätzt man auf 425 Mill. Thaler.

Delille (IacgueS, auch Delisle, de Liste), der berühmteste unter den fran-zösischen Lehrdichtern neuerer Zeit, geb. den 28. Juni 1738 zu Aigue-Perss, eineranmuthig gelegene» Sradt in Auvergne. Sein Name seit der Revolution warMontanier-Delille . Er glich ebensowol an Häßlichkeit als in der seltenen VerskunstPope , den er sich auch in seinen Gedichten zum Muster genommen hatte. Er kamjung nach Paris und zeichnete sich in dem Eollegium von Lisseup durch seine frühentwickelten Talente, besonders seine Neigung zur Dichtkunst aus. Hieraus kamer in das Eollegium von Amiens , wo schon Gresset die Liebe zur Poesie geweckthakte; hier sing D. seine metrische Übersetzung der Georgica des Virgil an: einkühnes Unternehmen, denn er mußte in der stanz. Sprache nach Mitteln spähen,die man noch nicht entdeckt hatte. Diese Übersetzung, welche D. in s. 23. Jahrevollendete, obgleich er noch viele Jahre daran feilte, machte großes Aufsehen.Sie erschien zuerst 1770 in einer glänzenden O.uarlauSgabe von Didot mit einemvi^nni!, piöümiii.iiie und zahlreichen Anmerkungen, durch welche sich derVerf.auch unter den franz. Prosaikern eine ehrenvolle Stelle erworben hat. Eifersüch-tige feindeten den jungen Dichter an, z. B. Element, und schrieben gegen seinenVersuch. Aber das Verdienst siegte; D. wurde nach Paris berufen und zumProfessor am <2nII<che <Ie lu ^l-nclie, später am Lollöge. clo l'i!,»ce ernannt.Die Franzosen erkannten seiner Übersetzung einen Platz unter ihren classischen Wer-ken zu. D. selbst setzte den Virgil noch über den Homer und wußte dessenSchönheiten in seinen Vortrügen mit außerordentlicher Anmuth und Feinheit zuentwickeln. Auch übersetzte er später dessen „Äneide " (1803). Zn seinem 87. I.(1774) ward er in die Akademie aufgenommen. Auf die Übersetzung der Georgica folgte sein eignes Lehrgedicht: ,Pe« j.nclin«, ou I'art cl'cinlicllir les(Paris 1782) in 4 Ges., wovon die beiden ersten den Boden und die zur Verschö-nerung dienenden Gehölze, der dritte die Auslegung der Rasenplätze, die Blumen-zucht und die Benennung der Gewässer, und der vierte die bildenden Künste betrifft,die zur Verschönerung eines Gartens wirken können. Man war mit den Gärtenweniger zufrieden, als mit jener Übersetzung des Virgil'schen Gedichts. Doch glau-ben die meisten Kunsirichter, daß die Franzosen im Fache des Lehrgedichts keinzweites Werk von gleichem dichterischen Werthe besitzen. D. war nicht eigentlicherGeistlicher, sondern nahm nur die untern Weihen an, um eine Pfründe genießen zukönnen. Don dieser, von seinen Besoldungen als Professor im t.oll, g<- >ic-1 > >i,e«und als Mitglied der stanz. Akademie,'sowie von den Zinsen seines eignen Vcrmö-