Band 
Dritter Band. D bis E.
Seite
117
JPEG-Download
 

Denkmale

Dcnkfreiheit

117

strahitt) und den Begriff selbst oder das Allgemeine und Nothwendige der Gegen-stände rein und unvermischt faßt, und das Denken in nonnr«», d. h. das Denkendes Begriffs an gewissen Gegenständen. Hierin besteht der populairc oder gemeineVerstandesgebrauch, weil man absichtlich, um zu erläutern und zu belehren (uidemman durch Beispiele den Begriff zum Bewußtseyn bringt), oder unwillkürlich beiunauSgebildetem Verstände also denkt; da hingegen dasDenkcn in al^trunt» demwissenschaftlichen VerstanteSgebrauche angehe«, weil es die Wissenschaft an sichmit dem Allgemeinen und Notbwendigen zu thun hat. 7.

D e n k fr e i h e i t. Da das Denken eine innere, durch äußern Zwang garnicht bestimmbare Thätigkeit des Menschen ist, so kann die Denkfteiheit Niemandemgenommen werden und unmittelbar kein Gegenstand des äußern Gesetzes sein. In-sofern mau auch darunter die Übung im eignen Denken und die dadurch erlangte Be-freiung von den Hindernissen des Denkens, und Irrthum und Vorurrheil versteht,kann sich ein Jeder die Denkfteiheit nur selbst geben. Indessen ist ein indirecterZwang von Außen auch hier insofern denkbar, als erstlich von den Ltaaten zuweileneidliche Erklärungen über die innere Überzeugung der Menschen, oder Versicherun-gen, daß man sich von irgend einerRegel des Glaubens nicht entferne» wolle (Glau-bensbekenntnisse, WiderrufangeblicherIrrlchren, Testeid in England), gefedert unddie Weigerungen als Verbrechen bestraft worden sind, und zweitens, indem die Er-ziehung ;um eignen richtigen Denken durch Beschränkung der Lehrer, Anstellung un-fähiger Menschen in den Lehranstalten und eine den Geist niederdrückende Lehrmethodegehindert wird. Durch solche Mittel läßt sich die geistige Entwickelung eines Volkesallerdings auf geraume Zeit bedeutend zurückhalten, wiewol ein solches frevelhaftesEingreifet! in die göttliche Vorsehung und das Gesetz der Natur sich am Ende immerals vergeblich und sich selbst bestrafend erweist. Die Freiheit, seine Gedanken durchRede und Schrift mitzutheilen, kann mit dein Namen Denkfteiheit mir sehr un-eigentlich bezeichnet werden. (Vgl.Preßsreiheit.) 37.

Denkmale (Monumente) im weitern Sinne nennt man Alles (vorzüg-lich Gegenstände menschlicher Kunst), was als Zeichen der Vergangenheit gewisse Er-innerungen aus der Zeit oder an die Zeit, wo sie gefertigt wurden, erwecken will oderkann. Denkmale des Alterthums können schriftliche, artistische und mechanische sein;denn Homer's Gedichte sind für uns ebensowol ein Denkmal ihrerZeit als das Pan-theon und ein zu Pompeji auSgegrabener HauSralh. Bedeutend sind diese Denk-male alle, insofern jeder gebildete Mensch an dem Alterthume überhaupt Interezzenimmt. Der Grad von Sittlichkeit, Bildung und Aufklärung, dessen die Gegen-wart sich erfreut, ist das Ergebniß der Sittlichkeit, Bildung und Aufklärung derGeschlechter, die vor uns die Erde bewohnten. Ei» heiliges Band hält die Mitweltmit der Vorwelt zusammen; darum sind die Denkmale des Alterthums dem Gebil-deten so ehrwürdig. Sie führen uns in dieVorwelt wieder ein, wirsehen ihre -Lit-ten, Gebräuche, Verfassungen und ganzes Leben gegenwärtiger. Im engernSinne versteht man unter Denkmalen bloß die artistischen (Kunstdenkmale). Unterdiesen haben einige bloß insofern Werth, als sie Denkmale im eigentlichen Sinnesind, d. h. insofern sie dienen, daSAndenken an gewisse Personen oder Begebenheitenzu erhalten; andre hingegen baben außer diesem noch einen innern Werth, indem sieohne jede andre Hinsicht als Werke der schönen Kunst gefallen. (L. Alterthum,Antike, Archäologie.) In dem engsten Begriffe bezeichnet Denkmal oderMonument die Werke der Bau- oder Bildbaucrkunst, deren Bestimmung es ist,das Andenken merkwürdiger Personen oder Begebenheiten der Nachwelt Zu über-liefern. Von ihnen ist hier allein die Rede. Bald verzieren sie öffentliche Plätze,Gärten rc., und diese sind meist Denkmale der Begebenheiten; bald sind sie Denk-male der Personen, Ehrendenkmale. Zu den letzter» gehören auch die Trauer-monumente und Grabmäler; sie stehen einsamer und anspruchloser an der stillen