Band 
Dritter Band. D bis E.
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Deutsche Kirche

licbkeitenganz gedeihlich. Man hatte Mittel genug, die Kirche zu versöhnen. Rom dispensirte und absolvwte für Geld, soviel begehrt wurde; die Moral der Jesuiten beschwichtigte die Gewissen; Ablässe, Wallfahrten, Düfiuugen mit Rosenkranz undFastenspeif-n, fromme Vermächtnisse und Seelenmessen wuschen alle Sünder rein.Nur für entschlossene WahrheikSforfchcr und freidenke,ide Gelehrte hatte die Kirchekeine Gnade. Stakt der guten Ansichten Ferdinands I. und Maximilians ll. zurVerbesserung der Kirche, trieb Versolgungssucht ihre Nachfolger zu Grausamkeitengegen ihre protestantische» Unterthanen, und der dreissigjährige Krieg erweckkeHoff:nuna zu einem vollkommenen Siege des Katholicismus in Deutschland . Freilichschlug sie fehl, da der westfälische Friede beide ReligionSparteien gleichstellte und dieKatholiken bedeutend schwächte; aber dafür gab dieser vom Papste ohnehin verwor-fene Friede ihrem Glanbenseifer neue Nahrung, und nicht nur ihren wirklichenGerechtsamen, sondern überhaupt allen Eigenheiten, die sie von den Protestantenunterschieden, größeres Gewicht. Nicht sowol der Verlust an Land, Leuten undEinkünften, den die deutsche Kirche in Folge der Reformation und dieses Friedenserlitt, vielmehr der Ärger über die wachsende, wegen allzu grosser Nähe häufige Rei-bungen veranlassende Macht des Protestantismus in Deutschland und die dadurchverstärkte Neigung, alle, auch die verkehrtesten Formen ihrer Religionsübung fürebenso viele Vorzüge anzusehen und um so beharrlicher festzuhalten, je lauter sichSpott und Tadel dagegen erhoben, brachte ihr wirklichen Nachtheil. Um die Ge-fahr der .stöberet abmwenden, trug sie die Schmach einer methodischen Verstnste-rnngz Um katholischer zu sei» als die franz. Kirche, liess sie sich von der römischenCurie unterjochen. Noch im 16. Jahrh, hatte diese in Wien und Köln , wie balddarauf in Brüssel und Lnzern, beständige Nuntien (s. d.) als päpstliche Statt-halter eingesetzt, vorgeblich, um durch sie die Beschlüsse der tritenlinischen Ver-sammlung in Ausübung zu bringen, eigentlich aber, um in Deutschland ohne Mittel-instanzen zu herrschen. Die Nuntien rissen die Jurisdiktion der Bischöfe, besondersin Dispensationssachen, an sich, und gewöhnten die Deutschen , sich in geistlichenBedürfnissen unmittelbar nach Rom zu wenden. Nach deni westfälischen Friedenbrachte d'er Papstes dabin, daß die deutsche» Bischöfe sich zur Ausübung der ihnennoch gebliebenen Amtsrechke Zndulte von b Jahr zu 5 Jahr nicht ohne Bezahlungbei ihm auswirken, und die teutschen Theologen und Kanonisch» an die Untrüglich--seit des ultramontan sehen päpstlichen) KirchenrechtS glauben lernten. Die Herr-schaft dieses, zur Herabsetzung der bischöflichen Gewalt uud Unterdrückung allerFreiheit der Nationalkirchen erfundenen Rechts auf den katholischen Lehranstaltenvollendete die Erniedrigung der deutschen Kirche, die daher bis in die Mitte des18. Jahrh, das traurige Bild einer eingeschüchterten Magd der römischen darstellteund ihre wahre Bestimmung fast ganz aus den Augen verlor. Wohlgemeinte Ver-suche zur Veredlung des Priesterstandes, wie die Bemühungen der Bartholomiken,hatten geringen Fortgang, einzelne würdige Bischöfe waren nicht Herren in ihremHause, fromme Leser Iansenistischer Schriften mußten sich verbergen, geistiges Le-ben kam nicht auf, auch die Behandlung der historischen Wissenschaften, in der ei-nige Benedictinerklöster mit der berühmten franz. Congregation von St.-Maur wetteifern wollten, blieb meist roh und geschmacklos, wie die Predigten der Nach-ahmer des bewunderten Abraham a St.-Clara, sodaß die Likerargeschschte dieser Pe-riode aus dem kathol. Deutschland kaum 6 Namen aufzuführen hat, die der Nach-welt bekannt zu werden verdienen. Für die geistig unmündige Menge noch zu frühkamen 1750 die wahrhaft christlichen Hirtenbriefe einiger östr. Bischöfe Traut-sohn's in Wie» und Thun'S in Gurk), und 1752 die von dem edeln Friedrich Karlvon Schönborn (später Bischof von Bamberg und Würzburg ) betriebene Vermin-derung der Festtage in den östr. Staaten. Dagegen konnte die wachsende Theil-nahme der höher» stände und selbst des Klerus an stanz. Geschmacks-und Gei-