Band 
Dritter Band. D bis E.
Seite
561
JPEG-Download
 

581

Englische Literatur und Wissenschaft

auch der Bibliotheken zu erwähnen, so ist zwar von der Stiftung neuer öffentlicherAnstalten der Art Nichts kund geworden, dagegen erhielt das britische Museum zuLondon durch die seltene Sammlung des Verstorb. I). Burney , welche die Regierung1818 für 13,500 Pf. Vt. kaufte, einen Zuwachs, der außer 11,000 Bdn. gedruck-ter Bücher (worunter besonders cineSammlung griech. Dramatiker sich auszeichnet,zu deren Bildung, da jedes Schauspiel einzeln gebunden ist, gewöhnlich zwei Exem-plare jeder AuSg., und zuweilen stltene Ausgaben, geopfert werden mußten), auchmehre Handschriften enthielt, z. B. die ehedem von Stownley besessene Handschriftder „Ilias", wichtige Handschriften der griech. Redner und des griech. Testamentsaus dem 10. und 12. Jahrh. Ein andrer kostbarer Theil dieser Bibliothek ist einein ihrer Art einzige Sammlung von politischen Zeitungen von 1003 bis auf unsereZeit, aus 7000 Bdn. bestehend. Neuerlich ward das Museum auch durch die Bi-bliothek Georgs I!I. bereichert. Von allen Begünstigungen des literarischen Ver-kehrs aber wirkte die segensreichste, die Preßfreiheit seit 1684, auch in unserm Zeit-räume fort; sie blieb ein Palladium, das Niemand gewaltthätig anzutasten wagte,und das Wort, das Mackintosh in seiner beredten Vertheidigung Peltier'S gegen dieAnklage des ersten Consuls Bonaparke 1803 vor der Kingsbench sprach, gilt nach20 I. noch immer unter wunderbar verwandelten Zeitumständen: „Eine Zufluchtfreier Erörterung ist noch unverletzt; noch ist eine Stelle in Europa , wo der Menschseine Vernunft über die wichtigsten gesellschaftlichen Angelegenheiten frei darfsprechenlassen, wo er kühn sei» Urtheil über die Handlungen der stolzesten und mächtigstenTyrannen verkünden darf. Englands Presse ist noch frei. Sie wird bewacht vonder freien Verfassung unserer Väter, sie wird bewacht von den Herzen und Armender Engländer, und wir glauben es sogen zu dürfen, soll sie fallen, so wird sie nurunter den Trümmern des britischen Reichs fallen". Und wenn auch dieses Boll-werk der Landesfreiheit, wie es dieBriten mit Recht nennen, weder durch bestimmteGesetze — nirgends geben die schwankenden Preßgesctze der Willkür mehr Spiel-raum — noch selbst durch die Geschworenen — die bei dem Gericht über Preßver-gehungen nicht mit den gewöhnlichen, die Unparteilichkeit sichernden Vorsichtsmaß-regeln gewählt werden — geschützt wird, so sind es eben die Herzen und Arme derEngländer, es ist die Achtung der Machthaber vor der öffentlichen Meinung unddieFurchk vor der Gefahr, die auf einem gewissenPunkte mit der Mißbilligung desVolks Verbunden sein würde, was jenes Bollwerk so fest macht.

Nach diesen einleitenden Betrachtungen wenden wir uns zur Übersicht des Er-trags in den einzelnen Gebieten der Literatur. A) Philologie. Wie schonoben bemerkt, war die Beschäftigung mit Elassikern der Griechen und Römer undmit ihren sprachen der Ausgangspunkt und das Mittel werdender Bildung auchfür die Briten. In Italien war dies Studium schon eher erwacht, und bereits»ach 1490 verbreiteten William Grocyn, John Eollet, Thomas Linacre und Wil»liam Lilly die dort erlangte Kenntniß, besonders des Griechischen, in ihrem Vater-lande. Aber die ersten fruchtbaren Keime philologischer Bildung streute 7 Jahredarauf Erasmus von Rotterdam zu Oxford aus, trotz allen Hindernissen, die ihmder Weltgeistlichen befangene Heftigkeit, der Schüler minderer Beifall, dazu Veil-chen und Unruhen in den Weg legten. Wiewol er nun deßhalb England verlassenhatte, beredeten ihn doch zwei fleißige und talentvolle Engländer, William Monrjoyund Thomas Gray , zur Rückkehr, wo er mehren ausgezeichneten Männern ver-traut ward. dennoch aber die Unterstützung nicht fand, welche zu dauerndem Auf-enthalt nöthig war. Angeregt waren wohl die Geister von dieser Seite her; aber dieLeistungen bis gegen das Ende des 16. Jahrh, noch roh und unbeholfen, wie Tns-pin s griech. Wörterbuch, nachmals vonGrant herausgegeben, und einige Über-setzungen von Elassikern erweisen. Zwar strebte schon die Prosa, sich jenen altenMuster» nachzubilden; adv- bei der Befangenheit in unsicherer und einseitigerWie-

Evnversations^clicon. Bd. >ii.

36