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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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Die volkswirthschaftliche, kulturgeschichtliche undstrategische Bedeutung der Eisenbahnen.

Eine Monographie über die Geschichte der Straßen, aus poli-tisch-ökonomischem Gesichtspunkte aufgefaßt, fehlt uns noch; sie würdeden Beweis liefern, daß der Zustand der Kommunikations- undTransportmittel von jeher den unleugbarsten Einfluß auf den Wohl-stand und die Kultur der Völker ausgeübt hat. Ueber die Wirkun-gen der Schiffahrt in dieser Hinsicht ist man einig: denn wenn manzur Bildung Alt-Griechenlands, zur Civilisation Europa's , zur Han-delsgröße Englands und anderer maritimer Staaten die Lage amMeer und die Zerrissenheit des Küstenlandes mitwirken läßt, so sagtman damit aus, daß zwischen dem Meer, als trefflichem Verkehrs-mittel, und jenen Wirkungen ein kausaler Zusqmmenhang obwalte.Seltener findet man diesen Zusammenhang in Beziehung auf dieMittel des Landtransports erörtert; und doch liegen die Erfolge nichtminder klar zu Tag. Man erlaube mir, eine kleine historische Ex-kursion zu machen, die vielleicht geeignet ist, die Stimmung für dasin Frage stehende Kommunikationsmittel vorzubereiten. Eisenbahnensind nichts anderes als vervollkommnete Kunststraßen; sie leisten da-her in volkswirthschaftlicher, kulturgeschichtlicher und strategischer Be-ziehung alles, was diese leisten, nur in bei weitem höherem Grade.Dieser Vorzug tritt klarer hervor, wenn man sich zuvor die niedrig-sten und untergeordnetere Systeme vergegenwärtigt.

Der älteste Landverkehr ging über die rohe Erdrinde, auf kunst-losen Wegen, wie wir sie noch jetzt, selbst in europäischen Ländern,finden. Menschen und Lastthiere dienten als Transportmittel. Waswaren die Wirkungen dieser Verkehrswelse?

Lastthiere tragen nicht über zwei bis drei Centner. Güter vongroßem Gewicht und Volumen, wenn auch von anerkanntem Nutzen,konnten daher nur in beschränktem Maße Gegenstand des Landhandelswerden, leicht verderbliche ihren Absatz nur auf den NächstliegendenMärkten finden. Der Landhandel des Alterthums befaßte sich nurwenig mit schweren Rohstoffen, desto mehr mit leichten und zugleichkostbaren Waaren: Gewürzen, Räucherwerk, kostbaren Kleidern, sei-nen Metallarbeiten, Edelsteinen, edlen Metallen, Perlen rc. Dießsind aber lauter Lurusartikel. Wundern wir uns, wenn die griechi-schen Moralisten dem auswärtigen Handel, als einer der Sittlichkeit