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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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das Kaualsystem China's , die ausgedehnte Benützung der zahlreichenBinnengewässer, die Kühnheit der chinesischen Brücken, die Anstaltenzu schneller Verbreitung von Nachrichten rc. dieß Alles sind be-kannte Dinge bei einer Nation, die sich dieser Kulturmittel schon zueiner Zeit bediente, wo Europa's Flüsse vielleicht ihr geregeltes Bettnoch nicht gesunden hatten. China erntete in vollem Maße die Früchtedieser Anstalten. Produktion und Bevölkerung erweiterten sich in ei-nem Umfang, daß außer Egypten kein Staat der alten Welt mitChina sich messen kann; das himmlische Reich erlangte eine Gliede-rung, Ordnung und einen innern Zusammenhalt, daß selbst die wil-den Nomadenhorden, die es zu verschiedenen Malen überschwemmtund ihm Herrscher aus ihrer Mitte gegeben haben, die feste Kettedes materiellen und geistigen Verkehrs nicht zu zersprengen vermoch-ten, sondern es geschehen lassen mußten, oft schon nach einem Men-schenalter aus Siegern Ueberwundene zu werden. Aber die Chinesenwaren auch eines der wenigen unter den alten Völkern, welche despolitisch-ökonomischen und des kulturgeschichtlichen Einflusses der Ver-kehrsmittel sich lebendig bewußt waren, wie man denn überhaupt hierallein schon in früher Zeit das antrifft, was wir unter Volkswirth-schaft, Statistik, Gewerbspolizei verstehen.

Ich übergehe Jndienö, Baktriens, Persiens und Syriens Was-ser- und Landtransport-System, auf welchem der älteste Verkehr derMenschen und der älteste Austausch von Produkten aller Zonen sichbewegte. Künstliche Straßen und Fuhrwerke zur Fortbewegung derungeheuern Massen von Baumaterialien und der abenteuerlichen Ko-losse aus den Steinbrüchen in die Kanäle oder in den Nil ließen-sich von Egypten erwarten, wenn auch die Geschichte darüber schwiege.Inder und Perser haben ihre Tempel und Kolosse in Felsen ge-hauen; die Egypter mußten daS Material viele Meilen weit herbei-schleppen. Dieß setzt künstliche Bewegungsmaschinen und einen festenStraßendamm voraus. Wirklich finden wir bei ihnen eine Art Schlit-ten, deren Läufer aus einem künstlichen Geleise gehen, in vielen Ab-bildungen, welche den Transport darstellen.

Die ersten gepflasterten Straßentrakte schreibt man der mächti-gen Handelsrepublik der Karthager zu, von welchen wohl die Rö-mer zu ihrer ersten Kunststraße, der appischen, das Muster borgten.Nachmals ordnete die römische Verwaltung ein eigenes Departementfür die öffentlichen Arbeiten, Straßen, Brücken w. an. Es ist zurGenüge bekannt, daß dieses erobernde Volk alle Länder, in welchees seine unwiderstehlichen Waffen trug, mit Kunststraßen durchfurchte,deren technische Vollkommenheit in den vorhandenen Ueberblcibsclnnoch jetzt unsere Bewunderung erregt und bei deren Anlegung imWesentlichen die nämlichen Grundsätze obwalteten, die bei den heuti-gen Eisenbahnanlagen zur Richtschnur dienen: gerade Linie, Eben-heit der Bahn und größtmögliche Horizontalität. Der Zweck, wel-chem dieses Kommunikationssystem diente, war ein strategischer. Nur