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Seitdem man über Verbesserung von Landtransportmitteln nach-iailn, hat man insbesondere drei Zwecke, zu deren Erreichung Straße,Fuhrwerk und bewegende Kraft mitwirken müssen, inS Auge gefaßt:Schnelligkeit und Wohlfeilheit, größtmögliche Lastfort-fchaffung, Sicherheit und Bequemlichkeit. Nach dem Grad,w welchem Straßen diesen Forderungen entsprechen, schätzt man ih-ren Nutzen und ihre Wichtigkeit. Unsere Frage lautet nun einfachw: in wie weit erfüllen E.B.B., mit Dampfwagen befah-ren, diese im Begriff eines Landtransportsystemö enthalte-nen Postulate, und welchen Einfluß haben sie auf Volks-wirthschaft, Bildung und Kriegführung? Ich werde hiebetdie Wirkungen nachweisen, welche E.B.B. in der kurzen Zeit ihrerbristen; bereits kundgethan haben, sodann die Konsequenzen entwik-keln, welche mit Nothwendigkeit aus dem Prinzip hervorgehen. DemBorwurf müssiger Konsequenzemnacherei werde ich durch Aufführungvon Thatsachen begegnen, welche zu allen Zeiten und unausbleiblichMit Vervollkommnung von Transportsystemcn sich verknüpfen.
Sicher gehört es zum Begriff eines verbesserten Transportmit-tels, daß die Geschwindigkeit des Transports gefördert erscheint. Istdiese Geschwindigkeit durch einen Auswand zu bewirken, welcher dieTransportkosten gegen früher herabsetzt, so ist der Nutzen ein gedop-pelter. Nun ist dem Postulat der Schnelligkeit und der Wohlfeilheitdes Transports durch unsere neuesten Chauseen und Fuhrwerke aller-dings zu großer Genüge entsprochen, und wir sehen überall, woNeue zweckmäßig gebaute Straßentrakte gelegt werden, einen lebhaf-ten Verkehr von Menschen und Gütern sich einstellen: allein ohneVergleich lebhafter erscheint derselbe da, wo ihn E.B.B. vermitteln.Was ist die Ursache dieser Erscheinung? Was sind die Folgen? Ichwill beides zuerst an dem Personentransport klar machen.
Was E.B.B. im Punkt der Geschwindigkeit leisten, ist be-kannt. Ein E.B.wagen, durch Dampfkraft bewegt, legt den Raumvon einer geogr. Meile oder zwei Stunden durchschnittlich in fünfzehnMinuten zurück. Lange Steigungen oder viele in kurzer Entfernungvon einander befindliche Rasten modifiziren die Geschwindigkeit, daMan im letzten Falle der Maschine, um ihr früh genug wieder Ein-halt thun zu können, nicht die volle Entwicklung ihrer Kraft gestat-ten kann. Dies ist z. B. auf der 1,^ Stunden langen Nürnberg -Fürther-Bahn der Fall. Kaum würden die Dämpfe ihre höchsteSpannung erreicht haben, so stände der Wagen am Ziel, und eineMenge Feuerungsmaterial wäre nutzlos aufgewendet. Auf einer mitPfcrdekrast befahrenen E.B. kann man 4 Wegstunden in 1 Zeit-stunde zurücklegen; Postwagen, Landkutschen rc. machen gewöhnlich2 in 1. — Mit größeren Kosten läßt sich nun freilich auf E.B.B.eine größere Geschwindigkeit hervorbringen, und in England, wo diePersonenfrequenz so ungeheuer ist, geschieht dieß auch. Man führtdort bereits 40 engl. Meilen, d. h. 16 Wegstunden, in einer Zeit-