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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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(damals ein einziger) 1214 Tage brauchte, während jetzt die täg-lichen 6 und 7 Postkutschen den Weg in 4548 Stunden zurück-legen; wenn von 15001700 der Reisende den Weg von Straß-,bürg nach Basel in 8 bis 4 Tagen zurücklegte, zu welchem die Postletzt 12 Stunden braucht; wenn man früher von Stuttgart nach Ulm , jaNach Tübingen 2 Tage lang fuhr, während jetzt 12 und 5 Stundennöthig sind: so hat die in neuester Zeit eingetretene Transportverbesse-rung den Verlust an Arbeitstagen wenigstens um 50 Proz. verringert,und muß man vernünftiger Weise in dieser Reduktion einen Ge-winn erkennen, so darf man sich nicht sträuben zu gestehen, daß derGewinn steigt, wenn E.B.B. den Verlust gegen früher auf 75 bis90 Proz. reduziren.

Dagegen wird vielleicht eingewendet: daß dieser Gewinn durchdie zugegebene Häufigkeit des Reifens wieder absorbirt werde. Aller-dings wird mehr gereist: in Belgien ist der Personenverkehr aufs35fache, auf einigen Strecken aufs 75fache gestiegen; aber es wirdwehr gereist, weil der Geschäftskreis, der Markt, die Spekulation(ich erweitert. Derselbe Gewinn an Zeit und Arbeit nun, welcherder geringern Quantität von Geschäften als Ersparniß angerech-net werden muß, muß es auch dem vermehrten Quantum werden.Man muß daher, um Recht zu behalten, nur behaupten, die großeFrequenz der E.B.B. sepe eine Wirkung des zunehmenden Luruseine Ansicht, die ich tiefer unten würdigen werde. Mir scheint es,Um auf den Ausgangspunkt einzulenken, ausgemacht, daß nur solcheGeschäftsleute, die wenig zu thun haben, die Zeit, welche sie auf derLandstraße liegen, nicht in Anschlag bringen, und daß nur Reichenichts nach den Kosten fragen, die sie während der Reise aufwenden.Personen, die ihr geregeltes Tagewerk haben und von ihrer HändeArbeit leben, besinnen sich, eine Reise zu machen, die sie längere Zeitvon Hause entfernt hält.Aber die meisten Geschäfte," sagt deroben angeführte Vers,lassen sich schriftlich abmachen." Ich erwi-dere: viele Geschäfte würden persönlich abgemacht, wenn die Reise

von Orten des Uebersiuffes an Orte des Mangels übertragen, einer Produktiongleichkommt; aber sie produziren nicht in dein Sinn, daß durch ihre ThätigkeitStoffe erzeugt und vermehrt würden. Man denke sich nun, vervollkommneteStraßen und Fuhrwerke beschleuniqen plötzlich den Transport, welchen dieseMenschen bisher besorgten, in der Ärt, daß nur noch die Hälfte Zeit und Men-schen nöthig wären: so wird die entbehrlich gewordene Hälfte nothwendig zu Stoff-arbeiten übergehen müssen. Solche Frachtfuhrleute für den asiatischen Handels-verkehr waren bis ins Mittelalter herein und sind zum Theil noch heute die No-madenvölker, denn nur sie konnten so viel Zeit, als der langsame Karavanen-transport erforderte, unproduktiv verlieren; daher sehen wir, daß diese früher sozahlreichen Horden so sehr zusammenschmolzen, als nach Entdeckung des See-wegs um Afrika die Konkurrenz weitbauchiger Schiffe den Kameeltransport er-drückte. Sie mußten großentheils zu festen Wohnsitzen und produktiven Ge-schäften übergehen. Ich frage, ob eine Million Arbeitstage, die durch E.B.B.einem Volk zu Gewinn gegeben wird, auf Nichtsthun oder auf Arbeit verwendetwird?