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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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?u Grunde liegenden Wissenschaften theoretisch, doch mit besondererBeziehung auf die PrariS, zu lehren. Selbst Werkstätten, die manmit Gewerbeschulen in Verbindung gebracht hat, können auf der Weltkeinen andern Zweck und Nutzen haben, als gewisse mechanische Ver-richtungen und Manipulationen den Schülern vorzuzeigen, um ihnenannähernd einen Begriff davon zu geben, sie auch etwa an diesenBerrichtungen selbst Theil nehmen zu lassen u. s. w.; zu einer prak-tischen Geschicklichkeit, Fertigkeit, Uebung wird der Schüler offenbarkeine dieser Verrichtungen in der Schule ausbilden können. So we-nig also jene Schulen die Praris ersetzen können, so sehr hat derGewerbszögling nöthig, sich dieselbe in der Werkstätte des Meistersselbst zu erwerben und, wie die Sachen liegen, auch mit dem Standund den Fortschritten des auswärtigen Geschäftsbetriebs sich bekanntzu machen, wenn er später die einheimische Konkurrenz intelligenterMitbürger oder die fremde mit Glück bestehen will.

Allein der ganze niedere Gewerböstand, die eigentlichen Gewerks-arbciter, besuchen nicht einmal jene Lehranstalten, da diese vorzugs-weise darauf hinwirken, für die höheren Gewerbe brauchbare Indi-viduen: Faktoren, Werkführer, Unternehmer, Verwalter, Architekten w.heranzubilden. Der eigentliche Handwerker und Gewerksarbeiter wirdgleich in der Praris gebildet: denn bei ihm handelt es sich darum, vonsrühe an den Stoff manipulircn zu lernen, um das rechte ProduktZu erzielen. Die Werkstücke ist seine Schule; er erwirbt sich Geschick-lichkeit, Uebung, Fleiß in einer guten Lehre, bei geschickten Meistern,heben geschickten Gesellen, deren lebendiges Beispiel ihm vorleuckcket;M dem Besuche fremder Werkstätten, deren Einrichtungen, VerfahrenUnd Arbeiten er kennen lernt, wo sein Verstand durch Anschauen,Vergleichen, Prüfen sich bildet.

Somit wird für die Individuen beider Gewcrbsstände, der hö-heren und niederen, ein Wandern an Orte nothwendig, wo die Pro-dukte ihres Gcwerbsfaches in hoher Vollkommenheit hervorgebrachtWerden, und wir wissen auch, daß diejenigen, welchen an einer tüch-tigen praktischen Ausbildung und an Erweiterung ihrer EinsichtenUegt, wo möglich einige Jahre im Auslande zubringen. Bei derMehrzahl geschieht das Wandern zu Fuß; besser bezahlte bedienensich der Fuhrwerke. Aber mit welchen Opfern an Geld und Zeit istbeides verknüpft. Ein Handwcrksbursche sammelt oft Monate undVierteljahre lang einen Sparpfennig, bevor er weiter ziehen kann,von der Zeit gar nicht zu reden, welche diese Leute müssig und ihremZwecke fremd auf der Straße schlendern. Manche, die wissen, daß^u entfernten Orten Nachfrage nach Gehülfen stattfindet, sind aufUngünstigen Plätzen zurückgehalten, weil sie die Reisekosten nicht zu^schwingen vermögen; andere, die zu Wagen reisten, haben denVeutel geleert; andere, die zu Fuß wanderten, an der Gesundheitschaden genommen ein Fall, der zumal im Winter keineswegs^ den seltenen gehört. Wo E.B.B. bestehen, ist dieß Alles bereits