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und Polen . — In der zweiten Epoche ist die unmittelbare Arbeitdie Trägerin des Reichthums. Das Städtewesen blüht auf; Bürger-tugenden walten; Gesetze schützen Eigenthum, Leben und Freiheit.Die Sitten verfeinern, die Bedürfnisse vermannigfaltigen sich. Künsteund Wissenschaften werden gepflegt. Die Bevölkerung wächst; einwohlhabender Mittelstand erhebt sich; die Eristenz erscheint in allenihren Theilen gesichert. Denn die Arbeit herrscht, und die Arbeitsteht mehr in der menschlichen Willkür als die Natur. Aber überallSchranken und Monopole; die Zünfte üben Gewalt; der Gewerbs-betricb ist, mit wenigen Ausnahmen, mechanisches Thun und artetin Schlendrian aus. Die Preise der Fabrikate stehen so hoch, daßnur der Wohlhabende sie genießen kann; der Rohstoff erscheint fastwerthlos; die unendliche Mehrheit des Volks lebt in der Hauptsache,noch auf dem Standpunkte der ersten Epoche. Dieser Zustand, nochin einigen Strichen Oestreichs und Rußlands sichtbar, herrschte inden gewerbfleißigen Gegenden zu Ende des Mittelalters und imAllgemeinen bis in die lezten Jahrzchcnte des k 8. Jahrhunderts.—In der dritten Epoche herrscht überall das Kapital; die Maschinerietritt an die Spitze, die Arbeitstheilung scheint keine Gränze mehr zufinden; die Naturkunde, mit nie gesehenem Eifer betrieben, stellt sichzum Dienst der Gewerbe. Die unbedeutendste Haudthierung suchtihre rationelle Grundlage. Erfindungen, welche den Betrieb durchdie produktivsten Mittel unterstützen, sichern und zur äußersten Ergie-bigkeit pvtenziren, folgen sich mit einer Geschwindigkeit, daß sie nurzu notiren ein eigenes Geschäft kostet; das Unmögliche scheint in demWörterbuch der Technologie seinen Platz zu verlieren. Die Mengeund Mannigfaltigkeit aller künstlichen Produkte übersteigt allen Glau-ben; die unscheinbarsten Stoffe werden ökonomisch nutzbar gemacht,und die Fabrikate, welche die Lebensnothweudigkeiten so gut wie dieBedürfnisse der Bequemlichkeit befriedigen, werden in solcher Masseund Wohlfcilheit beschafft, daß auch der Aermste daran Theil nehmenkann. Die Konsumtion steigt ins Ungeheure, aber man darf jcztnicht jede überflüssige Konsumtion für Lurus ausgeben.Die Fesseln des Gewcrbs und Verkehrs schwinden; alle Mittel,welche die Cirkulation der Güter fördern, werden hervorgesucht. Undin dem Maß als die mittelbare Arbeit die unmittelbare reduzirt undden Bedarf für Millionen erzeugt, begründet sie die Vermehrung derdienstthuenden Klassen, die Pflege der Wissenschaften und Künste.Aber die Konkurrenz überspannt den Eigennutz und demoralisirt ihn;die- Urproduktion steht hier und dort in schreiendem Mißvcrhältnißzur Fabrikation; Uebcrvölkcrung erzeugt hier und dort Uubchaglich-keit und Verarmung; die Maschinerie, welche mehr und mehr dieMenschenarbeit auflöst, ruft ganze Massen unselbstständigcr Arbeiterhervor, und das Kapital scheint eine neue Aristokratie, die der Gewerbe,begründen zu wollen. — Wir sind in diese Epoche der Oekonomieeingetreten; sie selbst verweilt nur noch erst in ihren Anfängen. Der