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der Vortheil des Einzelnen dem Wohl des Ganzen nachstehe, ist esbei dergleichen Anlässen allein, was den Staat berechtigt, beste-hende Interessen zu beeinträchtigen, und wenn dieser Grundsatz irgendAnwendung verdient, so verdient er es bei Anlegung von E.B.B.,da lokale Begünstigungen häufig unverantwortliche Mehrausgabenveranlassen, für vorthcilhafterc Bahntrakte die Augen verschließen undLokalitäten übergehen lassen, deren ökonomische Hebung von dem größtenNutzen gewesen wäre. Inzwischen wird es immer der Fall seyn, daßman eine Richtung,'auf welcher der bisherige große Verkehr sich be-wegte und eine Anzahl von bevölkerten Städten und Ortschaften insLeben rief, beibehält, und man wird dieselbe nur dann verlassen,wenn der Bahn unüberstcigliche Terrainhinderniffe in den Weg tre-ten. Daher sind es in der Regel nur einzelne Ortschaften, welcheeine Eisenbahn beseitigt, oder an denen die Reisenden ohne Aufent-halt vorübcreilen, so daß sie dem Ganzen gegenüber um so wenigerin Betracht kommen dürfen, als an denjenigen Stellen, wo Statio-nen etablirt werden, neue Niederlassungen sich erheben oder die altenWohnorte sich-vergrößern. Sodann ist nicht zu übersehen, daß sichVerluste, welche durch eine veränderte Richtung deS Verkehrs ent-stehen, sogar im gewöhnlichen Lauf der Dinge, bei einigem Sinn fürBetriebsamkeit, bald wieder ersetzen, da die aus besseren Zeiten her-stammenden Gewohnheiten und Bedürfnisse als ein natürlicher An-trieb wirken, das Verlorene auf irgend einem andern Wege des Er-werbs wieder zu gewinnen.
Mit Recht spricht man auch von den Fuhrleuten, deren Nahrungdurch E.B.B. beeinträchtigt wird. Allein wenige Gewerbe tragensich so leicht aus andere Orte über, als jene; und da sich auf den Sei-tenrouten die Frequenz vermehrt, so hält es.bei einiger Besonnenheitund Thätigkeit nicht schwer, auf diesen Beschäftigung zu finden. Diedurch die Liverpool-Manchester-Bahn brodlos gewordenen Fuhrleuteund Kutscher fanden auf den Nebenstraßen durch Herbeiführung vonWaaren und Menschen nach den Ladcstationen mehr Beschäftigung,als früher in der normalen Direktion der beide Städte verbindendenStraßen, und ich sah schon im Jahr 1838, also ein Jahr nach Er-öffnung der Leipzig -Dresdner Bahn, auf allen Stationen Kutschenund Wagen, um Reisende oder Waaren aufzunehmen und seitab zufuhren, oder der Bahn zuzuführen, und da die Bahnhöfe der großenStädte meistens von den Thoren etwas entfernt liegen, so etablirensich auch dort überall vortheiihafte Fiakergeschäfte. Man muß nur nievergessen, daß E.B.B. ebenso sehr den normalen Bahn- als denSeitenverkehr beleben.
Durch das Angeführte scheinen sich mir die Befürchtungen, welcheman aus dem Gesichtspunkte einer durch E.B.B. bewirkten gemein-schädlichen Centralisation des Verkehrs, aus der Vernichtung gewis-ser Beschäftigungen und aus der Verarmung ganzer Städte schöpft,um ein Bedeutendes' zu mindern. Unleugbar ist für Manchen der