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lvird die Berechnung des Nutzens ausgehen müssen? Nach meinerAnsicht hat man
1) den erwachsenden Schaden, also z. B. den positiven Nachtheil?u tariren, welcher dem Lande aus dem Verluste des Transits und desauswärtigen Verkehrs überhaupt ohne eine E.B. erwachsen würde,und diesen Nachtheil annähernd mit einer bestimmten Summe zu be-ziffern. — Den Genuß eines Handelszugs verlieren, ist das Schlimmste,was einem Lande begegnen kann; Denn ganz abgesehen davon, daßeine für den Weltverkehr wichtige Straße für Viele eine ausgiebigeNahrungsquelle bildet, hat sie zahlreiche mittelbare Wirkungen aufIndustrie und Handel, und gibt dem Staate auch eine höhere poli-üsche Bedeutung. Zwar verzehren die Eisenbahnreisenden unterwegsnicht mehr so viel, als dieß auf der bisherigen Chaussee der Fall war,aber ihre Zahl vermehrt sich; und was die Waaren anlangt, so sindSpeditions- und Kommissionsgeschäfte nach wie vor nöthig, um denVersand zu besorgen; sie werden — wenn es nicht zu verhindernist — vielleicht auf andere Punkte verlegt, aber in ihrer Nahrungeher gefördert als benachtheiligt, da in Folge der wohlfeileren Frach-ten auch der Waarentransport sich vermehrt.
2) hat man eine Wahrscheinlichkeitsrechnung über den national-ökonomischen Gewinn gewisser Nutzungen anzustellen, zu welchen diestrojeklirte Bahn Veranlassung geben dürste, wofern es z. B. mög-lich wäre und man sich fest dazu entschlösse, Salz-, Torf-, Steinkoh-lenlager, Bergwerke, Wälder, oder andere Zweige der Urproduktionin größere Ausbeute zu nehmen. Hierbei müßte zugleich annähernd dasder Bahn zufallende Transportquantum jener Erzeugnisse firirt werden.
3) Die nämliche Berechnung wird fortgesetzt hinsichtlich derje-uigen Stoffe, welche das Land mittelst einer E.B. wohlfeiler vomAuslande beziehen oder diesem in größerer Menge als bisher über-lassen dürfte, so wie
4) hinsichtlich der Ersparnisse, welche dem die Bahn benutzendenPublikum und dem innern Tauschverkehr durch wohlfeilere Frachten^wachsen, worauf endlich
5) die auf Erfahrung gegründete Annahme einer Verdopplungdes Personenverkehrs, einer Erhöhung des Werths der Grundstückeund die mannigfachen mittelbaren Wirkungen in Anschlag zu bringenstud, um das Resultat zu ziehen.
Mit einer verlässigen Statistik ausgerüstet, hält es nicht schwer,Gr jedes gegebene Land dergleichen Taxationen zu entwerfen, und ichglaube, daß es Fälle geben kann, in welchen selbst ein voraussicht-liches Defizit nicht abhalten darf, eine E.B. zu bauen. „Aber E.B.B.,die voraussichtlich nicht rentircn, soll," sagt der öfters genannte Verf.,''der Staat nicht unternehmen, weil das Defizit auf die Steuer-pstichtigen fällt, und zwar auf solche, die von der Bahn keinen di-rekten Nutzen haben. Der Staat unterhält zwar auch Landstraßen,aber diese sind Bedürfniß für Jedermann, eine E.B. nicht. Der
Mährlen, Eisenbahnen. 5